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1. Joh. 1, 1-4

Weihnachten nicht zu schnell vergessen

1 Was von allem Anfang an da war,

was wir gehört haben,

was wir mit eigenen Augen gesehen haben,

was wir angeschaut haben

und betastet haben mit unseren Händen,

nämlich das Wort, das Leben bringt –

davon schreiben wir euch.

2 Das Leben ist offenbar geworden,

und wir haben es gesehen;

wir sind Zeugen dafür

und berichten euch von dem unvergänglichen Leben,

das beim Vater war

und sich uns offenbart hat.

3 Was wir so gesehen und gehört haben,

das verkünden wir euch,

damit ihr in Gemeinschaft mit uns verbunden seid.

Und die Gemeinschaft, die uns miteinander verbindet,

ist zugleich Gemeinschaft mit dem Vater

und mit Jesus Christus, seinem Sohn.

4 Das erfüllt uns mit großer Freude.

Und wir schreiben euch diesen Brief,

damit unsere Freude vollkommen wird.

Zitat aus Gute Nachricht Bibel ©2000 Deutsche Bibelgesellschaft,  Stuttgart


Liebe Gemeinde,

Wo sind wir eigentlich? Klar im Gottesdienst, in der Kirche oder per Video zu Hause mit dabei.

Und zeitlich: Am Anfang eines neuen Jahres.

Haben Sie es mit Getöse und Vorfreude begrüßt!? Sie haben sich mit dem Getöse zurückgehalten und mit der Vorfreude auch?

Sie sind mit Ängsten, Sorgen reingegangen?

Am Anfang des neuen Jahres. Wo sind wir noch?

In der Kirche gehen die Kalender ja anders.

Da haben wir heute den 1. So n.d.Christfest

Das mahnt uns, nicht zu schnell weiter zu gehen.

Ja, der Tannenbaum nadelt. Er muss raus, vor allem wenn man es nicht erwarten konnte und man ihn schon am 1. Advent ins Wohnzimmer gestellt hat.

Also, mal nicht zu schnell. Weihnachten bitte nicht zu schnell vergessen. Wir müssen noch mal hinschauen.

Und wie machen wir das? Na ja, wir hören Johannes zu.

Er ist begeistert!

Er entsorgt Weihnachten nicht, wie einen Tannenbaum.

Er legt die Weihnachtsfreude nicht mit den Christbaumkugeln in die Kiste.

Das Leben ist erschienen. Eine neue Qualität des Lebens ist da. Das Leben wurde neu aufgelegt und die neue Edition strahlt in hellem Glanz. Das ist nicht nur ein neues Update, das bringt nicht nur ein paar optische Aufhübschungen. Nein mit dem Update ist eine dauerhafte neue Version auf dem Markt, die nicht mehr veraltet und nicht mehr kaputtgeht. Die zudem umsonst ist. Dieses Leben ist Freeware. Man muss sich nur für die Installation registrieren lassen.

Aber der Reihe nach.

Johannes holt weit aus: „Was von allem Anfang an da war“ ist erschienen.

Das erinnert an den Anfang der Schöpfung: “Am Anfang schuf Gott“ Er sprach und es wurde. Durch sein Wort ist alles geschaffen worden. Er hat gesprochen und hat es dadurch krachen lassen.

Und im Johannesevangelium heißt es: Am Anfang war das Wort. Da steht im griechischen Text das Wort Logos. Das ist ein Wort mit vielen Bedeutungen. Es meint Wort aber auch Plan, Absicht, Sprache, Rede, Beweis, Lehrsatz, Lehre, Sinn oder Vernunft“.

Am Anfang war der Plan, war die Absicht, dass gefällt mir in diesem Zusammenhang am besten.

Gott hatte einen Plan. Und den können wir ablesen an der Natur. Da gibt es Naturkonstanten. Da herrschen fein justiert Kräfte.

Die Natur ist nicht nur schön, sie ist auch hervorragend organisiert.

Und jetzt heißt es hier: Dieser Plan diese Absicht, dieser Sinn ist offenbar geworden, der ist als Mensch unter uns erschienen.

Der ist erschienen. Den konnte man anfassen.

Der ist Mensch geworden und lebte unter uns.

Durch den Logos wurde das Leben geschaffen, bei der Schöpfung. Und jetzt ist der erschienen und hat das unvergängliche Leben wiedergebracht.

Er ist personifiziert, er wurde gesehen, er wurde angefasst, er hat einen Namen: Jesus.

Das Leben ist erschienen.

Vorher: Ja das biologische Leben, das Menschen durch Zeugung und Geburt haben, das haben Menschen.

Dieses Leben haben alle Menschen.

Der Apostel Paulus schreibt über dieses Leben: „Ihr wart tot“.

Oder an anderer Stelle: „Der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben.“

Das biologische Leben war da, aber die Verbindung zu Gott war gekappt. Der Tod hat das Leben überwuchert.

Viele Theologen suchen immer die Unterschiede zwischen den biblischen Schriften. Und sagen dann die einzelnen Schreiber hätten das verschieden gesehen. Oft drücken die Autoren das Gleiche aber nur mit verschiedenen Worten aus – vielleicht, damit jeder Dödel es verstehen kann. Wer es bei dem Einen nicht versteht, dem geht es vielleicht bei dem anderen auf.

Zwischen Ihr seid nicht mehr tot, bei Paulus und das Leben ist erschienen, bei Johannes ist die Übereinstimmung jedenfalls offensichtlich.

Das biologische Leben hatten auch die ersten Leser dieses Briefes und doch schreibt Johannes ihnen: Das Leben ist erschienen.

Dass das biologische Leben noch nicht das volle Leben ist, empfinden viele Menschen.

»Ich möchte etwas vom Leben haben. Ich will aus meinem Leben etwas machen«, sagen viele Menschen. Oft verbindet sich mit diesem Wunsch die Suche nach prickelnden Erlebnissen, nach Spaß, nach einer erfolgreichen Karriere und einer sorgenfreien Existenz. Man will möglichst alles bekommen und alles erreichen, was man sich vorgestellt hat.


Aber ist das dann, wenn man möglichst viel davon erreicht hat, Leben, wirkliches, erfülltes Leben? Oder müsste es noch mehr sein?
»Es muss im Leben mehr als alles geben«, lautet der Titel eines Buches. Mehr als alles haben und sich mehr als alles leisten können.
Zum wirklichen Leben gehört auch die Erfüllung unserer Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, nach innerem Frieden und nach einer Perspektive für die Zukunft.

Einer unbegrenzten Zukunft. Das erreichte Glück soll ja nicht aufhören.

Was soll das für ein Leben sein, indem man mühsam alles, was man haben will, zu erreichen versucht und wo alles Erreichte wieder verschwindet, weil es mit dem Tod endet?

Johannes und die anderen Jünger haben dieses wirkliche erfüllte Leben bei Jesus gefunden. Sie sind erfüllt von dieser Erfahrung, sie können nicht anders, sie müssen es weitersagen:

„Wir haben es mit unseren eigenen Augen gesehen und mit unseren Händen betastet. Das Leben ist erschienen“.

Spurgeon, der berühmte englische Erweckungsprediger erzählte von einer Begegnung. Ein junger Mann sagte zu ihm: Ich will etwas vom Leben haben. ER wollte ausdrücken, dass er das nicht haben würde, wenn er sich zu Jesus bekehren würde. Spurgeon antwortete ihm. Ich will nicht etwas vom Leben haben, ich will das Leben haben.

Das ist die Antwort für alle, die fragen: Was habe ich vom Christsein? Die Antwort heißt das Leben.

Ein Vater fragt seine Tochter, was die sich zum Geburtstag wünscht. Spontan antwortet das Mädchen: „Ein Pferd!” Erschrocken fragt der Vater zurück: „Aus Holz?” „Nein!”  „Nein!” „Aus Metall?” „Nein!” „Aus Plastik?” „Nein!” „Ja, woraus dann?” Und das Mädchen darauf energisch: „Aus Pferd!” Das ist wahr, ein echtes Pferd kann nur aus Pferd selber sein. Alles andere wäre kein Pferd.

Wir wünschen uns Leben. Ganzes, erfülltes Leben!

Und woraus? Aus Arbeit, aus Erfolg, aus Idealen, aus Zeitvertreib?    Nein! Aus Leben!

Leben kann nur aus Leben selber sein. Leben kann nur von dem kommen, der das Leben ist. Leben kann nur der empfangen, der sich dem Lebendigen hingibt. Gott ist das Leben. Sein Leben kam zur Welt. In der Schöpfung.

Und nach dem Zerbruch zwischen Mensch und Gott aufs Neue in dem menschgewordenen Logos: Jesus Christus

Jesus ist das Leben. Seine Liebe ist Leben. Sein Leiden und Auferstehen ist Leben. Nicht nur erfülltes irdisches Leben, sondern auch ewiges Leben. Jesus hat den Tod als letzte Grenze unseres irdischen Lebens durchbrochen. Er hat ein bleibendes, vollendetes Leben erworben. Und das möchte Gott durch Jesus an uns verschenken.

Gott ist seinem Wesen nach Gebender. Sein ganzes Sein ist verschenkend. Menschen sind ihrem Wesen nach Bedürftige. Unser ganzes Sein ist empfangend. So können Gott und Mensch Partner werden und das Ganze finden. Gott möchte Leben verschenken. Der Mensch ist darauf angewiesen Leben zu empfangen.

Darum sucht Gott Menschen, die sich für seine Lebenskräfte öffnen,

– die ihre Einsamkeit aufgeben und die Gemeinschaft mit ihm suchen,

– die ihre Sorgen wegwerfen und ihm vertrauen

– die ihre Ängste vor ihm aussprechen und von ihm Hoffnung bekommen

– die ihre Sünden abladen und sich Vergebung aufladen,

– die ihren Egoismus begraben und Jesu Liebe aufleben lassen,

– die ihre Begrenzung eingestehen und Jesu Möglichkeiten ausleben.

So wollen wir Leben aus erster Hand, aus Gottes Güte, aus Jesu Vergebung aus der Kraft des Heiligen Geistes.

Petrus hat es stellvertretend für die Jünger ausgedrückt: „Du hast Worte des ewigen Lebens.“

Dieses Leben beginnt hier, wenn ein Mensch sich Jesus, dem Leben in Person, zuwendet und es wird in der Ewigkeit vollendet.

Jesus hat gesagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Wer mich annimmt, wird leben, auch wenn er stirbt,

und wer lebt und sich auf mich verlässt, wird niemals sterben.

Wenn auch das biologische Leben enden wird, wird das ewige Leben doch weitergehen.

Johannes schreibt: Das verkünden wir Euch, damit ihr Gemeinschaft mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus habt.

Das ist möglich, weil Jesus, das Leben, erschienen ist.

Johannes formuliert ja, dass er diesen Brief schreibt, damit seine Freude vollkommen wird, in dem seine Leser auch zu dieser Freude kommen, dass das Leben sie erfüllt.

Er geht wohl nach dem Satz: „Freu Dich mit mir – es ist so traurig, sich allein zu freuen!“

So wünscht sich Johannes, dass sie nach dem Gottesdienst nach Hause gehen (oder zu Hause die Übertragung abschalten) mit der Gewissheit: Ich habe im Glauben an Jesus das Leben.

Das erhebt mich über die Niederungen des irdischen Lebens.

Das soll die große gemeinsame Freude sein.

Die Nachrichten werden heute nicht besser sein als gestern. Krankheiten und Leiden werden nicht verschwinden. Der kleine Junge aus St. Petersburg wird seinen Kampf, noch mächtiger zu werden, fortsetzen. Sein chinesischer Kollege wird auch weiter seinen Gruppenegoismus ausleben. Die Verantwortlichen dieser Welt werden das Beste suchen, manchmal für alle, oft aber auch nur für sich selber und für das eigene Volk oder die eigene Gruppe.

Menschen werden die Umwelt zerstören, die Zukunft wird ungewiss, aber gewiss nicht gefahrlos, sein.

Aber das Leben ist erschienen, ist Mensch geworden, ist unvergänglich, liebend und treu.

Viele Menschen leben nach dem Satz: „Nimm das Leben nicht so ernst, denn du kommst am Ende ja doch nicht lebend davon!”

Stattdessen darf gelten: Nimm das Leben und Gott, dich und die anderen, deine Herkunft und Zukunft, nimm Gottes Wort und seine Liebe ganz ernst, und du kommst immer lebend davon! Denn das Leben ist erschienen.

Amen.

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