1 Ahab berichtete Isebel alles, was Elija getan und dass er alle Propheten Baals umgebracht hatte.
2 Da schickte Isebel einen Boten zu Elija und ließ ihm sagen: »Die Götter sollen mich strafen, wenn ich dich morgen um diese Zeit nicht ebenso umbringen werde, wie du meine Propheten umgebracht hast!«
3 Da packte Elija die Angst, und er floh, um sein Leben zu retten. In Beerscheba an der Südgrenze von Juda ließ er seinen Diener zurück
4 und wanderte allein weiter, einen Tag lang nach Süden in die Steppe hinein. Dann setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte den Tod herbei. »HERR, ich kann nicht mehr«, sagte er. »Laß mich sterben! Ich bin nicht besser als meine Vorfahren.«
5 Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein.
Aber ein Engel kam, weckte ihn und sagte: »Steh auf und iß!«
6 Als Elija sich umschaute, entdeckte er hinter seinem Kopf ein frisches Fladenbrot und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder schlafen.
7 Aber der Engel des HERRN weckte ihn noch einmal und sagte: »Steh auf und iss! Du hast einen weiten Weg vor dir!«
8 Elija stand auf, aß und trank und machte sich auf den Weg. Er war so gestärkt, dass er vierzig Tage und Nächte ununterbrochen wanderte, bis er zum Berg Gottes, dem Horeb, kam.
Zitat aus Gute Nachricht Bibel ©2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Elia ist ausgepowert, kraftlos und müde.
„Ich kann nicht mehr“
Er kann die Situation nicht mehr einordnen.
Er Hat Angst.
Die letzte Morddrohung der Königin ist zu viel.
Er hat gekämpft.
Es war ein schwerer Kampf Kampf.
Viele würden sagen, ein unverständlicher Kampf.
Er hat um die Religion gekämpft. Religion – ist doch egal,
um Religion kämpfen, das geht doch gar nicht. So lautet ein postmodernes Glaubensbekenntnis.
Man muss doch tolerant sein.
Bei dem Kampf ging es um die Rolle Israels, es ging um den besonderen Auftrag, den schon der Stammvater Abraham erhalten hat.
„Durch dich sollen gesegnet werden alle Völker auf Erden“
Dadurch, dass sie im Vertrauen auf Gott leben, dadurch, dass sie im Vertrauen auf Gott leben und ihm gehorchen, indem sie seine Gebote beachten.
Sie haben eine einzigartige Gotteserkenntnis.
Sie haben es schwarz auf weiß: Gottes Rechtsordnung.
Sie haben einzigartige Erfahrungen in ihrer Geschichte gemacht.
Aber dieser Glaube war am Aussterben.
Soll das hinfallen, verloren gehen?
Dann wäre die Welt wieder sich selbst überlassen. Gottes Heilsabsicht würde der menschlichen Willkür geopfert.
Gott zu verlassen, das war ständige Möglichkeit und Gefahr.
Die Israeliten waren ständig mit dem Baalskult konfrontiert.
Der entsprach durchaus ihren Bedürfnissen, sie waren empfänglich dafür.
Baal, das war der Gott der Fruchtbarkeit.
In den meisten Religionen gibt es Götter für dieses, Götter für jenes, regionale Götter, Götter ganz für die Bedürfnisse der Menschen. Baal ist eben der Gott der Fruchtbarkeit.
In einer bäuerlichen Gesellschaft ist der ganz besonders wichtig. Er verhilft zu mehr Wohlstand und Reichtum, zu all dem was man damit kaufen kann: Bequemlichkeit, Unterhaltung, Abwechslung.
In der bäuerlichen Geselllschaft, da hängt alles am Klima bzw. an der kleinen Schwester des Klimas, dem Wetter
Das Wetter (oder gar das Klima) beeinflussen zu können, war schon damals ein willkommener Gedanke.
Der grundsätzlichen Götzenkritik, der Bestreitung der Götzen begegnen wir erst später. Zum Beispiel bei Jesaja, der das beschreibt, manch nimmt ein Stück Holz schnitzt sich einen Götzen daraus und mit dem Rest des Holzes macht man ein Feuer und kocht sich eine Suppe. Solche Kritik kam erst später zur Zeit des Elias ging es eher um die Frage: Welcher Gott stärker, von wem bekomme ich mehr?
So wie heute Menschen fragen: Wodurch bekomme ich mehr Lebensglück, mehr Erfüllung? Wofür investiere ich mehr Zeit und Kraft und Geld.
Der Gott, den es wirklich gibt, fällt da oft hinten runter, nicht erst, wenn einer aus der Kirche austritt. Schon im Lebensvollzug, wenn er eine Menschen weniger wichtig ist.
Der Baalskult war eine dauernde Versuchung.
So ein Götze, der ist recht praktisch. Der redet einem auch nicht rein: Man kann tun, was einem in den Sin kommt – da gibt es keine Gebote.
In Elias Zeit war Baal hoch im Kurs denn es gab eine Influenzerin: Isebel. Die Königin.
König Ahab hatte eine phönizische Königstochter geehelicht.
Sie bringt Ihren Glauben mit mit. Postmoderne Zeitgenossen finden die Vielfalt sicherlich cool.
Isebel fördert diesen Glauben.
Sie alimentiert die Baalspriester und macht diesen Gold zur Staatsreligion.
Aufgrund ihres Glaubens bringt sie auch Vorstellungen mit, was ein König ist und darf. Nach ihrer Vorstellung gibt es keinen Gott über ihm, der ihm verbietet, sich zu nehmen, was er will. Der Weinbergbesitzer Naboth bezahlt dies mit seinem Leben.
Wo immer Menschen Gott nicht über sich anerkennen, setzen sie ihre eigenen ethischen Maßstäbe., bzw. werden maßlos.
Elia hat für Gott gekämpft. Er ist Ahab entgegengetreten.
Er hat Trockenheit, Dürre und Hungersnot angekündigt.
Schließlich hat er mutig zum Entscheid per Gottesurteil aufgefordert. Die Frage, um die es geht, hat er so formuliert: „Entweder der HERR ist Gott, dann folgt ihm – oder Baal ist Gott, dann folgt ihm!“
Er hat sich dem Duell mit 450 Baalsproheten gestellt. Und er hat gesiegt. Er wollte das Böse ausmerzen und ließ ließ die Baalpriester umbringen.
Über mildere Formen wie Berufsverbot, Überwachung, Aussteigergruppen, therapeutische Maßnahmen hat man damals nicht nachgedacht.
Aber es hat nicht die Lösung gebracht
Die Botschaft Isebels macht das deutlich: Sie ist nicht bereit, ihren Glauben zu ändern. Sie wird weitermachen.
Es war vergebens.
Es wird in Israel wieder so weitergehen, wie zuvor
und ihm wird es an den Kragen gehen.
Da packt ihn das Grauen, die Angst.
die Mutlosigkeit überfällt ihn.
Die Bewahrung in der Vergangenheit tröstet nicht.
Die Wunder der Vergangenheit, die stärken ihn nicht.
Er hat eigentlich Anhalt genug, dass Gott stärker ist., Aber der Glaube ist nicht konservierbar.
Glaube gibt es nie auf Vorrat, nie als Vollkonserve.
Auch der Starke kann schwach werden.
Genug ist genug. Nun hat er einen Burnout. Er will weg, nur noch weg. Er ist allein, das macht es nicht besser.
Er will sterben, er ist perspektivlos.
Und er stellt fest: Ich bin nicht besser als meine Vorfahren.«
Im Erfolg hat er das vielleicht anders gesehen, aber die Realität ist anders. Auch er ist schwach und nicht fähig, die Welt zu retten.
Wir können Elia unterm Ginsterstrauch, irgendwo in der Steppe, verstehen. Wenn wir auch ganz andere Kämpfe kämpfen .
Zum Beispiel im Berufsalltag, in dem wir oft keinen Sinn sehen.
Oder, in dem wir zwar Sinn sehen aber überfordert sind, weil die Arbeit auf zu wenigen Schultern ruht.
Im Umgang mit unseren Kindern, die Wege gehen, die wir nicht als gut ansehen.
In der kräftezehrenden Pflege von Angehörigen
In unserer Gesellschaft, die dabei ist, ein großes Pflegeheim zu werden, ist dies ja eine stetig größere Aufgabe.
Im Einsatz für eine soziale menschenfreundliche Gesellschaft.
Für hehre Ziele, für Frieden den Erhalt guter Lebensbedingungen
Wir kämpfen, mit mäßigen Erfolg in einer Gesellschaft, die zunehmend gottlos wird, darum, zum Glauben einzuladen.
Wir kämpfen mit gesundheitlichen Problemen, die uns einschränken und schwächen.
Elia flieht aus seinem Kampf. Er hat genug.
Und doch, Elia betet. Sein Gebet ist nicht fromm und dankbar. Auch nicht hoffnungsvoll und erst recht nicht glaubensstark und zuversichtlich.
„Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.“ Elia ist so nieder¬geschlagen, dass er nicht mehr weiterleben möchte.
Und jetzt?
„Wenn du denkst es geht nicht mehr kommt von irgendwo ein Lichtlein her“
Dieses Sprichwort hat schon mancheiner erfahren. Aber mancheiner eben auch nicht.
Und das „irgendwo“ ist halt auch unbestimmt und kann nicht mehr als ein vager Gedanke sein.
Bei Elia kommt die Hilfe von Gott..
Dass es ein Engel ist, der serviert, ist geradezu nebensächlich
Brot und Wasser gibt es, eine elementare Stärkung
Manchmal sind es die kleinen Hilfen, die man bekommt, die wieder ein bisschen Perspektive geben.
Und sich diese kleinen Hilfen zu gewähren, kann unsere Aufgabe und Möglichkeit sein.
Jetzt wird nicht einfach alles gut. Es hilft nur zu neuem vielleicht besserem Schlaf.
Erst nach einer weiteren Stärkung und Aufforderung sich auf den Weg zu machen, kann Elia gestärkt aufbrechen.
Er bricht auf zu einer neuen Gottesbegegnung und bekommt einenn neuen Auftrag. Er soll Könige salben und seinen Nachfolger. Damit wird ein Zeichen gesetzt: Es geht weiter. Gott bleibt mit seinem Volk auf dem Weg. Und der Einfluss der Influencerin Isebel wird auch gebrochen werden.
Brot und Wasser – nicht zufällig hat Jesus sich damit verglichen.
Ich bin das Brot des Lebens und
Wer durstig ist, soll zu mir kommen und trinken.
In dieser Welt, in der wir viele Kämpfe zu bestehen haben,
ist er uns Lebensbrot und lebendiges Wasser.
Wie kann uns das konkret werden und uns aufbauen:
Er gibt uns Wegweisung, lehrt uns, was wir tun sollen.
Er gibt uns den Auftrag in seinem Sinn in der Welt zu handeln.
Er wird die Welt vollenden, deshalb verliert das Handeln in seinem Sinn nicht den Sinn.
Er schenkt Vergebung und damit wird alles Versagen alle Unvollkommenheit geheilt.
Er hat selbst Schwäche erlebt und kennt unser manchmal zerbeultes Leben.
Er hat kein unrealistisches Bild des Lebens in dieser Welt gezeichnet. Das kann uns davor bewahren, es selbst zu tun.
Letztlich endet aller Erfolg und Misserfolg mit dem Tod.
Und was als große Bedrohung über vielen Menschen steht, ist durch die Auferstehung Jesu und dem damit eröffneten Weg in die Ewigkeit, ein Hoffnungspunkt geworden. Nach Erfolgen, die doch ihren Wert verlieren und Misserfolgen kommt dann noch was neues und größeres.
Nein, die Welt ist nicht heil. Aber der Heiland ist gekommen und wird kommen zur Vollendung und Erneuerung.
Brot und lebendiges Wasser sind da. Nicht als Vollkonserve, sondern immer wieder müssen wir uns umschauen und im Gebet, im Fragen und Klagen danach suchen und Stärkung empfangen.
Amen