1. Kor 15, 19-28 Auferstehung! Da will ich dabei sein.

Liebe Gemeinde,
in zweierlei Weise möchte ich Sie heute in die Predigt einführen.
Die erste Runde: Worauf freuen sie sich?
Jetzt konkret? Auf ein schönes Osterfest? Auf etwas, was sie heute unternehmen werden? Auf ein gutes Mittagessen, auf Besuch von Verwandten?
Und wenn sie weiter schauen: Auf den nächsten Urlaub? Darauf wieder ganz gesund zu werden?
Und wenn sie noch weiter schauen? Dass die Kinder groß werden und sie wieder mal durchschlafen können, oder auf die Beförderung und die neuen Aufgaben oder auf den Ruhestand?
Und weiter? Worauf noch? Auf die Auferstehung? Darauf, einmal bei Gott zu sein, in einer ganz neuen Existenz, in einem völlig guten Dasein, wo nichts mehr das Glück trübt?
Nicht so sehr? Das ist zwar so eine Hoffnung, aber richtig darauf freuen können sie sich nicht?
Naja, das ist ja so unvorstellbar, und davor muss man ja auch noch sterben, und das macht das Freuen etwas schwer.
Mir fiel das Lied ein: „O when the saints go marching in“ Wenn die Heiligen einmarschieren, wenn Jesus als König der Könige gekrönt wird, wenn sich alle um seinen Thron versammeln, dann lass mich Herr dabei sein:
Das Lied zeichnet ein Bild von einem großen Triumphmarsch, einer gewaltigen Parade, ein Bild von einer gewaltigen Zeremonie, die so toll ist, dass man sie nicht verpassen darf. Alle, die an Christus geglaubt haben, versammeln sich – von allem Leiden erlöst vor dem Thron Gottes, ein gewaltiger Aufmarsch, größer als je eine Siegesfeier gewesen ist.
Wenn die Auferstehung geschieht, das ist das Größte, was es zu erwarten gibt. Darauf kann man sich freuen.
Jetzt kommt der zweite Einstieg:
In Talkshows im Fernsehen kann man ja wirklich alles Mögliche sehen. Okay, da gibt es auch Bessere und Schlechtere.
In einer der Schlechteren ging es um die Frage: „Was geht ab im Jenseits?“
Da redeten einige Studiogäste über ihre übernatürlichen Erfah-rungen mit der jenseitigen Welt. Eine hatte eine Botschaft ihres verstorbenen Hundes überbracht bekommen, dass es ihm jetzt gut geht. Eine andere konnte mithilfe eines Cassettenrecorders Botschaften aus dem Jenseits aus einem türkischen Radioprogramm herausfiltern und so weiter.
Was im Jenseits geschieht, das wollen Menschen wissen, das lässt Menschen nicht kalt. Was ist hinter den Kulissen dieser Welt? Was gibt es da noch? Was wirkt von dort in unsere sichtbare Welt hinein?
Unseren Bibelabschnitt könnte man auch so überschreiben: „Was wird am Ende abgehen im Jenseits?“
Wie wird es sein am Ende der Zeit?
Und die Antwort ist: Christus wird triumphieren. Es wird nichts mehr geben, was gegen Gott steht. D. h. auch: Es wird nichts mehr geben, was Menschen das Leben schwer macht. Es wird keine Versuchung und keine Sünde mehr geben.
Es wird auch keinen Tod mehr geben. Die Verbindung zu Gott wird ungebrochen sein.
Und was auch immer jetzt noch über türkische Radiosender Botschaften aus dem Jenseits sendet, wird nicht mehr bestehen.
Das ist die Zukunft.
Um diese Zukunft zu beschreiben, zeigt Paulus noch einmal den Istzustand: Wir leben im Gefolge Adams: Wie der erste Adam, der erste Mensch, so ist jeder Mensch. Jeder Mensch ist versuchlich, zu allem Bösen fähig. Jeder Mensch ist auch sündig. Keiner war wirklich Gott gehorsam, voll und ganz. So ist jeder von Gott getrennt. So ist jeder, weil er nicht vollkommen liebt, auch von den anderen Menschen getrennt. Und so wird bei jedem Menschen diese Trennung vollständig werden im Tod. Oder anders gesagt, der Tod, der durch Sünde in die Welt ge-kommen ist, wird vervollständigt.
Bisher war dieser Weg für alle Adams (und Evas) eine Einbahnstraße.
Durch Christus hat nun etwas Neues begonnen: Durch Christus sind alle Menschen zu Neuem gerufen. Sie sind gerufen sich von der Sünde abzukehren, zu leben, wie es vor Gott recht ist, zu leben, in Liebe zueinander. Und das alles soll nicht nur hier für ein paar Jahre gelten, sondern auch in Ewigkeit.
Alle Menschen gehören zu Adam, sie sind Adam. Sie leben wie er und müssen sterben. Alle Menschen können durch Christus anders werden. Durch die Verbindung mit Christus fängt ein neues, ein anderes Leben an.
Und so wie einer der Erste auf dem Weg des Todes war, so ist einer auch der Erste auf dem Weg des Lebens.
Nun gibt es ja Trainer, die sagen, so oder so müsst ihr es machen und verstummen, wenn ihre Schützlinge sagen: „Machen sie es doch einmal vor.“
Christus ist nicht nur ein Trainer, sondern er ist einer, der vorausgeht. So ist er gestorben wie jeder Adam und er ist auferstanden. Er ist der Erstling, der Erste, der diesen neuen Weg gegangen ist.
In der Bibel wird davon geredet, dass Christus und die Christen verbunden sind, wie das Haupt mit den Gliedern.
Martin Luther hat deshalb so interpretiert: „Man sagt: Ist das Haupt geboren, so hats nicht Not“. Wenn der Kopf geboren ist, so ist die Geburt des Körpers ein Leichtes. Das Haupt zieht den Körper und die Gliedmaßen nach. Ist Christus auferstanden, so werden wir auch auferstehen.
Paulus schreibt: So muss es ablaufen: erst Christus, dann die Auferweckung aller Christen und das Ende aller Mächte, die gegen Gott stehen, und damit auch das Ende allen Sterbens.
Und wenn es nicht so wäre?
Dann, so schreibt er kurz darauf weiter: „Dann lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot“.
Dann zählt nur der Augenblick. Jetzt und hier Schönes erleben und an nichts anderes denken. Schlecht nur, wenn es jetzt und hier gerade nicht fröhlich ist, dann bleibt nicht mehr viel Lebenssinn.
Aber das ist schon konsequent: Wenn nichts mehr kommt, dann muss im Jetzt alles Gute drin sein. Worauf sollte man warten.
Und die Christen, die denken, da kommt noch was? Na ja wenn das nicht stimmt, dann sind es die Bedauernswertesten unter den Menschen. Paulus selbst schreibt es so.
Man kann das in zweierlei Weise betonen: „Hoffen wir nur
oder „hoffen wir nur für dieses Leben„.
Hoffen wir nur„, haben wir nur eine vage Hoffnung, dass es so sein könnte, dann wird es uns nicht wirklich trösten. Es wird unser Leben nicht tragen, es wird uns nicht von Ängsten befreien. Es muss feste Hoffnung sein, die sich einstellt, wo man mit Christus verbunden ist, wo man mit ihm spricht, wo man sich von seinem Geist leiten lässt. Mehr als ein Ungewisses „könnte schon sein.
Ich denke an die Anekdote, wo einer behauptet „Gott ist tot“ und ein anderer entgegnet: „Komisch, ich habe doch gerade noch mit ihm gesprochen.“ Da ist Glaube zur gewissen Erkenntnis geworden.
Die Hoffnung muss in der gelebten Verbindung zu Christus fest werden. Sonst hilft sie uns nicht.
Wenn man anders betont heißt es: „Hoffen wir nur in diesem Leben auf Christus, so sind wir die Bedauernswertesten unter allen Menschen“ Wenn es so wäre, dann würde wahr, was die Kritiker sagen: Das ist Vertröstung aufs Jenseits. Verdummung der Leute. Der Trost beruht nicht auf Wahrheit.
Durch diese falsche Hoffnung werden die Christen vom Diesseits abgelenkt. Und manch einer erhebt dann den Vorwurf die Christen vergessen das Diesseits. Sie kümmern sich nicht um diese Welt. Ich habe zwar noch nicht wahrgenommen, dass Christen sich weniger um diese Welt kümmern würden als andere, aber den Vorwurf kann man gelegent¬lich hören.
Andere erklären die Christen für dumm, weil die sich manch einen Spaß entgehen lassen, weil ihnen die ewigen Dinge wichtiger sind. Schön dumm, wenn nichts dran ist.
Hoffen wir nur in diesem Leben auf Christus, dann wären wir angeschmiert.
Paulus setzt dem entgegen:
Denkt daran, was ihr gehört habt: Christus ist auferstanden. Das ist gut bezeugt.
Wenn ihr in Zweifel zieht, dass die Menschen auferstehen werden, müsst ihr auch in Zweifel ziehen, dass Christus auferstanden ist. Könnt ihr aber nicht, denn das ist doch so gut überliefert, fragt doch die Zeugen. Paulus konnte das schreiben, damals lebten die Zeugen ja noch.
Aber: Christus ist auferstanden, also werden wir auch auferstehen. Er ist das Haupt, das die Glieder nach sich zieht.
Das könnt Ihr euch nicht vorstellen, schreibt Paulus. Ja das ist schwer vorstellbar, aber denkt doch an den Samen und die neue Pflanze, da wird etwas in die Erde gelegt und vergeht. Und doch entsteht daraus etwas Neues.
Weil es so schwer vorstellbar ist, möchte ich mit zwei Vergleichen enden, die uns anschaulich machen, was Auferstehung bedeutet.
Der Erste:
Eine stachelige Raupe sprach zu sich selbst: „Was man ist, das ist man! Man muss sich annehmen, wie man ist, mit Haut und Haaren. Was zählt, ist das Faktische. Alles andere sind Träume. Meine Lebenserfahrung lässt keinen anderen Schluss zu. Niemand kann aus seiner Haut!”
Als die Raupe dies gesagt hatte, flog neben ihr ein wunderbarer Schmetterling auf. Es war, als ob Gott gelächelt hätte.
Der Zweite:
Der amerikanische Politiker Benjamin Franklin, der in seiner Jugend Buchdrucker war, bestimmte selbst folgende Inschrift für seinen Grabstein: Hier liegt der Leib Benjamin Franklins, eines Buchdruckers, gleich dem Deckel eines alten Buches, aus dem der Inhalt herausgenommen und der seiner Inschrift und Vergoldung beraubt ist; doch wird das Werk selber nicht verloren sein, sondern, wie er glaubt, einst erscheinen in einer neuen, schöneren Ausgabe, durchgesehen und verbessert von dem Verfasser!
Im Glauben an Jesus, der den Tod überwand und in seiner Auferstehung ein neues Leben hervorgebracht hat, dürfen wir auf eine ganz neue, schönere und verbesserte Auflage unseres Lebens hoffen. Kein Tod und Leid, kein Hunger und Krieg, kein Weh und Geschrei, keine Tränen und Schmerzen werden mehr sein in Gottes neuer Auflage des Lebens!
Amen.