5 Nun, was ist denn Apollos? Und was ist Paulus? Gottes Helfer sind sie, durch die ihr zum Glauben gekommen seid. Jeder von uns beiden hat von Gott seine besondere Aufgabe bekommen.
6 Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat es wachsen lassen.
7 Es zählt also nicht, wer pflanzt oder wer begießt; es kommt alles auf Gott an, der es wachsen lässt.
8 Wir beide arbeiten an demselben Werk: der, der pflanzt, und der, der begießt; doch wird Gott jeden nach seinem persönlichen Einsatz belohnen. 9 Wir sind also Gottes Mitarbeiter, ihr aber seid Gottes Ackerland. Oder mit einem anderen Bild: Ihr seid Gottes Bau.
10 Nach dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat, habe ich wie ein umsichtiger Bauleiter das Fundament gelegt. Andere bauen nun darauf weiter. Aber jeder soll sehen, wie er weiterbaut!
11 Das Fundament ist gelegt: Jesus Christus. Niemand kann ein anderes legen.
12-13 Es wird auch nicht verborgen bleiben, was jemand darauf baut, ob Gold, Silber oder wertvolle Steine, ob Holz, Schilf oder Stroh. Am Tag des Gerichts wird sich erweisen, ob es Bestand hat. Dann wird die Feuerprobe gemacht: Das Werk eines jeden wird im Feuer auf seinen Wert geprüft.
14 Wenn das, was ein Mensch gebaut hat, die Probe besteht, wird er belohnt.
15 Wenn es verbrennt, wird er bestraft. Er selbst wird zwar gerettet, aber so, wie jemand gerade noch aus dem Feuer gerissen wird.
16 Wisst ihr nicht, dass ihr als Gemeinde der Tempel Gottes seid und dass der Geist Gottes in euch wohnt?
17 Wer den Tempel Gottes zugrunde richtet, wird dafür von Gott zugrunde gerichtet. Denn der Tempel Gottes ist heilig, und dieser Tempel seid ihr.
Zitat aus Gute Nachricht Bibel ©2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Vorbemerkung: Diese Predigt habe ich im Gottesdienst zu meiner Verabschiedung gehalten. Sie iost also mit anderen Situationen nicht kompatibel. Einzelne Gedankengänge daraus aber durchaus,
Liebe, heute so zahlreich versammelte Gemeinde,
wie oft habe ich schon den Satz gehört, „Die Kirche muss sich ändern“.
Ja und nein!
Vieles muss sich ändern. Wenn sie 2 – 3 Tage Zeit haben, will ich gerne anfangen, so einiges aufzuzählen.
Vermutlich haben Sie das so nicht eingeplant! Dann lass ich das mal.
Ich will lieber über das andere reden: Die Kirche darf sich in einer Hinsicht nicht ändern. In der Kirche muss es immer um dasselbe gehen:
Der Grund ist gelegt: Jesus Christus.
Von diesem Fundament darf sie sich nicht lösen.
Bei Konfirmanden Elternabenden (manche anwesenden könnten sich theoretisch daran erinnern), habe ich oft gesagt: Die Inhalte der Konfirmandenarbeit sind und bleiben die Alten. Die Formen dagegen haben sich gewandelt und wandeln sich.
Wenn Kirche einen anderen Inhalt erfinden würde, käme das sicherlich bei etlichen Menschen momentan gut an. In zehn Jahren müsste die Kirche aber einen neuen Inhalt erfinden und in 20 Jahren wieder. Und es würde gelten: „Wer mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“
Nichts davon hätte Bestand und würde auf menschlichen Gedanken beruhen, die genauso vergänglich sind, wie Menschen es eben sind.
Was ist das Fundament, auf dem die Kirche erbaut ist?
Jesus Christus!
Wer Jesus Christus sagt, drückt damit aus, Jesus ist der in die Welt gekommene Gott, der für unsere Sünden gestorben und für unser zukünftiges und gegenwärtiges Leben auferstanden ist. Er ist heute real anwesend, erfahrbar durch seinen Geist.
Im Glaubensbekenntnis, das wir gesprochen haben, fällt auf, was da über Jesus gesagt wird, bzw., was eben nicht gesagt wird. Dass er nicht einfach nur als normaler Mensch in die Welt gekommen ist, dass er gestorben und auferstanden ist und dass es damit nicht zu Ende ist, sondern dass er als Herr der Welt weiter aktiv ist. Das alles wird deutlich im Glaubensbekenntnis formuliert. Manches, was wir in den Vordergrund stellen würden, und was ja auch wahr und wichtig ist, seine Wunder, seine Reden, die Botschaften in seinen Gleichnissen, dass alles hat es nicht in diesen verdichteten Text geschafft.
Das muss betont werden, denn, was wurde aus Jesus schon alles gemacht.
In Deutschland war er einmal ein echter, heroischer Germane, später war er dann ein Sozialrevolutionär, ein Kommunist und heute ist er ein Feminist oder, gerade gelesen, ein Vorbild für Nachhaltigkeit.
In der Kirche hat man immer wieder versucht, Jesus an den jeweiligen Zeitgeist anzupassen. Man wollte vorne mit dabei sein bei denen, die modern sind.
Als wir unser Haus gekauft haben, wurde uns von einem anderen Haus erzählt, das günstig zu haben gewesen wäre. Bei diesem anderen Haus hat der Eigentümer ein Loch ins Fundament gemacht hat. Durch dieses Loch dringt jetzt Druckwasser ein. Es ist keine gute Idee am Fundament zu rütteln!
Was so alles aus Jesus gemacht wird, sie müssen sich das nicht merken. In zehn oder 20 Jahren ist die Karawane des Zeitgeistes weitergezogen.
Das, was er wirklich ist, passte nie in die Zeit. Damals war es, wie Paulus schreibt, für die einen eine Dummheit für die anderen ein Ärgernis.
Seine Bedeutung ist und bleibt ein Ärgernis, weil sie die Behauptung in sich trägt, dass wir alle nicht gut sind und deshalb erlösungsbedürftig sind.
(Das will ich jetzt aber nicht vertiefen. Darüber habe ich hier schon so oft gepredigt, entweder hat man es begriffen oder es nutzt sowieso nichts mehr.)
Christen würden sich das oft wünschen, dass sie ein angepasstes Evangelium hätten, ein geschmeidiges, das gut in die Welt passt, das nur Zustimmung auslöst und keinen Widerspruch. Das ist verständlich.
Aber, der Inhalt der kirchlichen Botschaft ist vorgegeben. Gäbe es keine Vorgabe, gäbe es auch keinen Inhalt, der mehr wäre, als menschliches temporäres Weltverbesserungsgeklingel.
Ja, aber muss die Kirche sich denn nicht immer wieder reformieren? Oh doch, ja, in ihren Formen, in ihren Wirkweisen, in ihrer äußeren Gestalt.
Lebensweisen von Menschen ändern sich, Verhältnisse ändern sich, Vorlieben ändern sich.
Ja, sie muss immer wieder fragen, wie sie die immer alte gleiche Botschaft, den neuen Menschen nahebringen kann.
Fragen Sie sich jetzt: Die alte Botschaft für neue Menschen? Hat er das wirklich gesagt? Macht das denn Sinn?
Klaro! Wie neu sind die Menschen denn? Durch alle Veränderung der Lebensformen haben sich doch die Grundfragen der Menschen keinen Deut geändert. Am Ende geht es doch immer da drum: Was ist denn das Wichtigste im Leben? Wie kann ich mit meiner zeitlich begrenzten Existenz leben? Wovon bin ich letztlich abhängig? Wer liebt mich?
So modern können die Menschen nie werden, dass sie diese Fragen nicht mehr umtreiben würden.
Ja, die Formen der Verdrängung dieser Grundfragen ändert sich ständig. Das war es dann aber auch schon.
Und ja, Kirche hat sich gewandelt. Dass wir heute teilweise andere Lieder singen als vor 32 Jahren, dass wir andere Gottesdienstformen haben und auch immer wieder haben werden, dass die Konfirmanden heute viel mehr Videos und, hoffentlich gut gemachte, Präsentationen sehen, statt Arbeitsblättern, ach nein, solchen Kleinkram meine ich nicht.
Vor drei Jahrzehnten war die Zugehörigkeit zur Kirche noch für die meisten Menschen in unserem Land normal. Das hatte zwar wenig mit ihrem Lebensvollzug zu tun. Wenn sie es mit einem Pfarrer zu tun bekamen, zum Beispiel bei einem Taufgespräch, kehrten sie aber den frommen Menschen heraus und zeigten, wie kirchlich sie sind. Das hat zum Glück abgenommen. Menschen sind sich ihrer Distanz zu einem gelebten Christsein mehr bewusst.
Dies führt logischerweise dazu, dass sie eher daran denken auszutreten und dass sie Kinder nicht mehr selbstverständlich taufen lassen. Dies führt aber auch dazu, dass sie leichter verstehen können, dass Christsein mehr sein muss, als nur Kirchenmitglied zu sein.
Und entsprechend hat sich auch, bei denen, die sich zur Kirche halten, etwas geändert. Sie verstehen sich mehr als vor drei Jahrzehnten als Teil eines lebendigen Gebildes, in dem sie eine Rolle haben, in dem sie gebraucht werden und durch das sie mehr sind als nur ein Mitglied einer Institution. Sie sehen mehr, dass es des Aufbaus bedarf. Vor Jahrzehnten sah das weithin noch so aus, dass die Kirche eben da ist und der Normalbetrieb eben laufen muss. Die paar wenigen, die nicht dazugehörten, die spielten keine so große Rolle. Die Erkenntnis, eine Minderheit zu sein, die aber eine enorm wichtige Botschaft für die Welt hat, muss allerdings noch weiter wachsen.
Der Apostel Paulus stellt den Menschen in Korinth eine Frage, die auf den Punkt bringt, was Gemeinde sein soll:
16 „Wisst ihr nicht, dass ihr als Gemeinde der Tempel Gottes seid und dass der Geist Gottes in euch wohnt?“
Was für ein Adel!
Im Tempel können Menschen Gott begegnen. Das ist die Funktion eines Tempels. Also, in der Gemeinde, bei Euch, ist Gott gegenwärtig und andere können ihm in Eurer Mitte begegnen.
„Der Geist Gottes wohnt in Euch“, das bedeutet, ihr könnt Euch von Gott leiten lassen, könnt unmittelbar mit ihm verbunden sein, im Gebet, im Vertrauen, im Hören und im Handeln.
Aber gibt das nicht Durcheinander, wenn jeder meint, direkt auf Gott hören zu können? Oh ja doch! Das kann man ja an den Ausprägungen christlichen Lebens in der Welt sehen.
Aber zum Glück kann man sich ja an der Bibel orientieren.
Also es hat sich viel gewandelt, in den letzten 32 Jahren. Man kann genug aufzählen, was als Abbruch erscheint, als Verlust, als Rückbau. Man kann aber auch einiges aufzählen, was Aufbau und Neuanfang ausdrückt.
Kirche hat sich verändert. Sie ist aber nicht am Ziel, jedenfalls nicht bevor Jesus wiedergekommen ist.
Also, da war Pfarrstellenwechsel in Korinth.
Ach nein, Pfarrer gab es ja noch gar nicht.
Trotzdem gab es Menschen, die in der Gemeinde eine besondere Rolle spielten. Das ist ja auch nicht schlecht, falls die anderen nicht vergessen, dass sie alle auch eine Rolle zu spielen haben und dass es auf die mit den besonderen Rollen eben nicht allein ankommt und dass für jeden gilt: Prüfet alles, das Gute behaltet.
Also, Pfarrer gab es noch nicht, aber doch war es ein bisschen ähnlich.
Für Paulus war es irgendwann Zeit zu gehen. (Er ging nicht in den Ruhestand, aber an andere Missionsorte!) Andere kamen nach ihm.
Die Gemeinde hat sich weiterentwickelt. Manche sagten, bei Paulus war es besser. Andere sagten, jetzt ist es besser.
Es bildeten sich Fanklubs für Paulus, für Apollos, für Petrus.
Und Paulus muss erinnern, sie sollen ein Fanklub von Jesus sein, ja sogar sein Leib aber eben nichts anderes.
Was Menschen an diesem Bauwerk Gottes bauen, das wird geprüft werden. Das wird von Gott geprüft werden. Das Heil der Bauleute hängt aber nicht von der Qualität ihres Schaffens ab, sondern es hängt am Fundament der Kirche, an Jesus Christus.
Dass nicht alles, was in der Kirche gebaut wird, ein dauerhaftes Bauwerk ist, ist wohl wahr.
Manches erweist sich schon beim ersten „Hot-oder-Schrott-Test“ durch. Anderes hält sich sehr lange, ist aber letztendlich doch aus Stroh gebaut.
32 Jahre lang habe ich also, je nach Vergleich, gepflanzt, begossen, gedüngt und ausgerissen oder auf und umgebaut.
Ob es taugt? Ob die Materialien richtig waren? Ob es Bestand hat? Gott wird es prüfen. Das Gute, so Paulus, ist, das Heil der Bauleute hängt nicht davon ab. Das Wohlwollen Gottes muss man sich nicht verdienen. Natürlich fällt mir in der Rückschau vieles ein, was ich hätte anders machen können, was ich versäumt habe. Nicht nur unsere Erkenntnis, auch unser Tun ist Stückwerk. Mit Unvollkommenem und Fehlerhaftem muss auch ich leben.
Aber es war ja keine ONE-Man Show. Wir haben als Team an der Gemeinde gebaut.
Kein Bibeltext drückt ja alle Facetten der Wahrheit aus. Ein paar Seiten weiter, schreibt der Apostel Paulus davon, dass es in der Gemeinde verschiedene Gaben gibt und dass alle gemeinsam zum Aufbau beitragen.
Während des Umbaus unseres Gemeindezentrums habe ich mal mit einem Handwerker gesprochen und ihm erzählt, dass eine Firma jetzt seit geraumer Zeit jeden Tag einen Mitarbeiter auf die Baustelle schickt. Er sagte dann den Satz: „Ein Mann ist kein Mann“. Damit drückte er die Erfahrung aus, dass man so, nicht effektiv arbeiten kann.
Wenn die Vakanz nun etwas Gutes hat, dann sicher das, dass deutlicher wird, die Aufgaben müssen auf viele Schultern verteilt werden. Dazu sind ja auch schon viele Absprachen getroffen und Schritte gegangen worden. Dieses Bewusstsein muss für die Zukunft wachsen und gelebt werden.
Und über solchen Überlegungen steht, was wir hier auch lesen: „Es zählt also nicht, wer pflanzt oder wer begießt; es kommt alles auf Gott an, der es wachsen lässt.“
Amen.