2. Tim. 1, 7-10 Keine Angst, es geht gut aus

L.G.
wenn man wüsste, dass es gut ausgeht, könnte man viel zuversichtlicher in die Zukunft gehen.
Ich gebe zu, das Beispiel, das jetzt kommt, ist alt:
Wenn man mit einem Fußballverein mitfiebert und ein Spiel live anschaut, das kann nervenaufreibend sein. Wenn man mit derselben Voraussetzung dasselbe Fußballspiel in einer Aufzeichnung sieht und das Ergebnis schon kennt. Wenn man weiß, dass es 5:4 für die eigene Mannschaft ausgegangen ist, dann ist es doch egal, ob der Lieblingsverein erst mal 4 Gegentore bekommen hat.
Wenn man müsste, wie sich die Zukunft entwickeln wird, könnte man befreit leben.
Wenn man wüsste, was am Ende sein wird, könnte man Krisen aushalten.
Wir nehmen wahr, dass die mächtigsten Menschen in der Welt nicht die besten Absichten haben.
Wir nehmen wahr, dass die reichsten Menschen ungeheuren Macht und Einfluss haben und ihre Macht und ihren Einfluss nicht für das Gemeinwohl einsetzen.
Die Nachrichten kommen uns als eine Ansammlung von Katastrophenmitteilungen vor.
Die Machthaber dieser Welt scheinen immer dreister zu werden und vor keinem Unrecht zurückzuschrecken.
Die Rahmenbedingungen für ein angenehmes Leben in Wohlstand und Freiheit verschlechtern sich.
Wird man durch all das denn gut durchkommen? Wie wird die eigene Zukunft und die unserer Kinder wohl aussehen?
Wir hören von klimabedingten Veränderungen, von immer größeren Naturkatastrophen. Wir fragen uns, ob vielleicht solche Katastrophen irgendwann zerstören werden, was man besitzt und schätzt, ob unser Lebensstandard so erhalten bleibt, wie er ist? Werden vielleicht riesige Flüchtlingskörperbewegungen in der Welt entstehen?
All das gibt uns Grund, uns zu fürchten.
Sie mögen das nicht, dass ich Ihnen all diese Dinge jetzt auch noch vor Augen stelle?
Okay, das verstehe ich. Deshalb bevor ich weitermache so zwischen Rhein noch mal den Gedanken vom Anfang:
Wenn man, bei allem Schlamassel in der Welt bei allem Stress, den uns das macht, bei aller Angst, in allen schwierigen Entscheidungen, wenn man dann wüsste:
Letztlich wird das gute Ziel am Ende nicht verfehlt werden,
und einer, der mächtig ist und es gut mit uns meint, geht mit,
das würde sich doch das Lebensgefühl ändern.
Panik könnte das Leben doch nicht beherrschen, die Grundzuversicht bliebe erhalten.

Vielleicht trösten Sie sich aber ohnehin mit dem Gedanken, dass die großen Weltprobleme sie sowieso nicht erreichen werden und es schon gut gehen wird. Sie sagen sich vielleicht, das wird aufgebauscht und wird schon nicht so schlimm werden?
Sorry, dann wird es jetzt ganz bitter:
Dann müssen wir nämlich über die kleinen Katastrophen nachdenken. Die persönlichen, die Verluste im persönlichen Leben, durch Krankheiten, durch den Verlust von Beziehungen, durch Alter und durch das Sterben, das todsicher ist.
Im Weltmaßstab sind diese Katastrophen zwar absolut unbedeutend, für uns persönlich aber, sind sie eben existenziell. Und viele Menschen haben dagegen keine Resillienz, nichts, was ihnen Hoffnung gibt, wenn das Leben traurig wird.
Diese Katastrophen, die kommen – und das sind gewiss keine Fakenews!
Wenn man aber wüsste, auch nach diesen todsicheren Katastrophen, gibt es eine Zukunft, die gut sein wird,
wenn man wüsste, es gibt einen Herrn über die Ereignisse der Geschichte, dessen Möglichkeiten nicht bei unserem letzten Zerbruch zerbrechen, dann wäre doch alles anders.
Und wenn man wüsste, dieser Chef der Welt will uns eine gute Zukunft schenken?
Und das sogar unabhängig davon ob wir das verdient haben, unabhängig, ob wir stark genug oder würdig oder brav sind,
das gäbe doch Kraft und Mut!
Wenn es Auferstehung gäbe und dann eine grandiose Zukunft,
dann wäre doch alles anders.

Ich übertrage den Text des Apostels Paulus, das, was er an Timotheus schreibt, mal ganz flapsig:
Was willste denn? Warum bist du so ängstlich? Hör doch auf zu piensen. Es ist doch klar, wie es ausgeht!
Also nicht wenn man wüsste, könnte man anders leben, sondern weil man weiß, dass es so ist, kann man anders leben.
Und wieder flapsig aber zutreffend weiter interpretiert, betont Paulus: Ja, ich sitze im Gefängnis, wegen der Botschaft, die ich verkündige.
Na und? Für diesen Gott und für seine Botschaft, die sich durchsetzen wird, zu leiden, das ist auszuhalten, weil er siegen wird.
Und dabei sollte man bedenken, gegen so ein antikes Gefängnis ist Lockdown im heimischen Wohnzimmer, dagegen sind hohe Spritpreise und eine Verringerung des Lebensstandards Peanuts. Dagegen sind unsere Alltagsprobleme Luxusprobleme.
Also, der Apostel Paulus sitzt in einem Kerker und weiß nicht, ob er wieder raus kommt, und Timotheus sitzt in einem seelischen Kerker, weil sein Freund und Vorbild eingesperrt ist und leidet.
Und dann bekommt Timotheus und mit ihm wir alle, noch mal vor Augen gestellt, was gilt:
„Jesus Christus, unser Retter, ist auf der Erde erschienen. Er hat dem Tod die Macht genommen
und das unvergängliche Leben ans Licht gebracht.“
Er hat den Tod, nicht das Sterben, aber das hinter dem Sterben lauernde und drohende Nichts zunichtegemacht.
Als Jesus auf der Erde lebte, spürten die Menschen in seiner Nähe: In ihm ist der lebendige Gott gegenwärtig. In ihm ist der liebende Gott unter uns anwesend.
Und er starb und wurde zu neuem Leben auferweckt. Er blieb nicht im Grab. Er lebt unvergänglich. Damit ist klar, was gilt: Dem Tod ist die Macht genommen.
Ja, ja denkt jetzt vielleicht jemand, „diese alte Geschichte, diese Legende, diesen Mythos, das soll ich glauben.“
Also bitte: Nennen Sie mir doch ein Ereignis aus der antiken Geschichte, das besser überliefert ist, von dem es eine schriftliche Überlieferung gibt, die so kurz nach dem Ereignis entstanden ist.
Wenn Sie was Überzeugendes finden, lade ich Sie zum Essen ein. Wenn Ihr Beispiel nichts taugt, zahlen sie! Okay?
Für uns wabert diese Botschaft durch 2000 Jahre Kirchengeschichte und ist uns reichlich unkonkret. Für die Christen der damaligen Zeit war das anders. Die Berichte das Jesus auferstanden ist, die waren frisch und vielfältig bezeugt.
Was aber noch wichtiger ist, die die sich auf diesen Glauben eingelassen hatten, hatten das mit ganzem Herzen getan. Sie spürten die Nähe Gottes durch seinen Geist, der Ihnen Gewissheit ins Herz gab. Sie ließen sich von ihm leiten und ihr Vertrauen wurde immer wieder gestärkt.
„Es ist offenbar geworden“, Gott eröffnet uns Zukunft und unvergängliches Leben. Er beseitigt, was wir zwischen ihm und uns aufgetürmt haben.
Er schenkt uns das. Seine Gnade ist offenbar geworden.
Unverdient, dürfen wir dieses Leben, diese Zukunft empfangen.
Dazu fordert er uns auf, dieser Botschaft Glauben zu schenken, und der aufgrund dieser Botschaft veränderten Lage gemäß zu handeln.
Also, was willste denn? So werden wir mit Timotheus gefragt: Es ist doch schon sichtbar geworden, wie es ausgeht. Es geht nach allen Katastrophen gut aus.
Die Katastrophen werden nicht weniger und nicht weniger schlimm, aber sie sind nicht das Letzte.

Aus der Sicht vieler Menschen ist es ja so: Hier und jetzt werde ich Glück erleben, oder ich werde es gar nicht erleben.
Und bei schlechten Nachrichten kommt dann schnell der Gedanke: Ich werde alles verlieren.

Und es ist logisch, dass aus dieser Furcht Egoismus wächst.
Wenn alles begrenzt und vergänglich ist, dann kann man doch nicht teilen.
Aus dieser Haltung wächst auch unvernünftiges und maßloses Verhalten. Man muss ja alles Gute noch jetzt schnell mitnehmen.

Wenn aber alles anders ist, dann kann man auch anders leben.
Dann kann man mutig in die Welt gehen. Dann kann man auch in Krisenzeiten besonnen bleiben.
Man kann verzichten.
Man muss nicht wunschgetrieben leben.

Der Apostel Paulus schreibt das so:
7 Gott hat uns keinen Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Wer dieser Botschaft glaubt, der bekommt einen anderen Geist.
Er bekommt den Geist Gottes, der uns verstehen lässt, wie die Dinge liegen und der nimmt uns die Furcht.
Wer Jesus folgt, der bekommt diesen anderen Geist. Er lebt nicht mehr aus seinen eigenen Möglichkeiten. Nicht mehr der eigene Mut, die eigene Kraft, setzen jetzt die Grenzen.
Gott gibt denen, die sich an Jesus halten, einen anderen Geist, den Geist der Kraft. Gott gibt uns die Kraft für die schweren Aufgaben. Er gibt uns die Kraft, dem Bösen zu widerstehen. Und auch die Kraft, das Leid zu ertragen. Der Geist der Kraft macht aber keinen zum kraftstrotzenden Überflieger. Seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Und das heißt doch dann wohl auch, dass diese Schwäche erlebt wird. Dass die Kraft also nicht im ständig vollen Vorrats¬tank vorhanden ist. Den Geist der Kraft gibts offensichtlich nicht als Depotspritze, sondern immer wieder bei Bedarf.
Kraft, das kann auch heißen: Mut zum Risiko. Mut anders zu handeln. Mut gegen den Strom zu schwimmen.
In dieser Kraft konnten ungelehrte Jünger die Welt verändern.
Wer von Gottes Geist so verändert wird, der kann auch für den Glauben, das Evangelium eintreten. Wer begeistert ist, muss davon reden. Wer von Gott so beschenkt wird, der muss dafür einstehen. Deshalb die Aufforderung:
“Bekenne dich also offen und ohne Scheu, zur Botschaft von unserem Herrn. Schäme dich nicht. “
Wer sich an Jesus hält, der bekommt den Geist der Liebe.
Liebe, selbstlose Liebe kann wachsen. Verzicht wird möglich, weil man nicht selbst Sicherheit finden muss, sondern bei Gott Geborgenheit findet.
Kraftvolle Liebe und liebevolle Kraft will er uns schenken.
Und wer sich an Jesus hält, der bekommt den Geist der Besonnenheit.
In der Erziehung durch Gottes Geist lernt er, das Angemessene zu tun. In einer Zeit, in der viele Menschen maßlos geworden sind, bekommt er den Sinn für das rechte Maß.

Im ersten Vers unseres Bibelabschnitts fordert der Apostel Paulus Timotheus auf: „Lass die Gabe wieder aufleben, die Gottes Geist in dich gelegt hat“.
Da steht ein Wort, das das Anfachen eines Feuers meint.
Anfachen das meint ja zum einen, ein Feuer in Gang bringen
und zum anderen es wieder neu aufflammen zu lassen.
Gaben, Fähigkeiten hat jeder Mensch erhalten.
Diese Gaben besonnen liebevoll und kräftig in die Welt einzubringen, dazu sind wir aufgefordert.
Und wer das tut, für den wird ganz nebenbei auch noch die Sinnfrage gelöst.

Der Konjunktiv vom Anfang, „wenn man wüsste“, ist keiner. Es ist ein Indikativ, die Möglichkeit ist die Realität.
Es ist offenbar geworden in der Geschichte und wird vollendet in der Zukunft.
Wir müssen in Krisen nicht mit dem Geist der Furcht leben.
Sondern dürfen uns von Gottes Geist leiten lassen zu einem mutigen liebevollen besonnenen Leben.
Wer würde das nicht vorziehen wollen?
Amen.