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Gen. 8, 18-22 An das Gute im Menschen glauben?

L.G.,

der Wochenspruch für diese Woche lautet:

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

Das Leitmotiv am 20. Sonntag nach Trinitatis sind Gottes gute Ordnungen. Es ist uns gesagt, was gut ist, und wir sollen danach leben.

Eigentlich ganz einfach.

Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was Gott von dir verlangt: Auf sein Wort hören, Liebe üben, sich nicht selbst zum Herrn der Welt aufschwingen und sich eine Rolle anmaßen, die uns nicht zusteht.

Eigentlich ganz einfach.

Das müssten wir Menschen doch hinkriegen.

Tun wir aber nicht.

Wie oft habe ich das gehört: „Herr Pfarrer, sie müssen doch an das Gute im Menschen glauben“.

Vielleicht haben die Menschen, die das zu mir sagten, gedacht: Pfarrer sind so ein bisschen wie der liebe Gott: weltfremd und ewig vergebend und immer lieb.

Außerdem versuchen Pfarrer, Menschen ja zum Guten zu bewegen – sie lehren die Gebote, sie fordern zur Nächstenliebe auf, also werden sie ja wohl glauben, dass die Menschen sich doch auch zum Guten bewegen lassen wollen.

Ja, die ganze Kirche erscheint ja vielen als eine Anstalt, die dazu da ist, Menschen zum Guten zu bewegen. Die Kirche arbeitet oft auch daran, genau in dem Licht zu erscheinen.

Es muss doch wohl möglich sein, ein paar kleine Fehlentwicklungen zu korrigieren, da die Menschen im Kern doch gut sind.

Das Urteil der Bibel ist ein anderes:

Hier im Text steht: „Die Menschen sind schlecht. Sie sind böse von Jugend auf.“

Das will keiner hören.

Es ist doch auch nicht alles schlecht. Menschen machen doch auch viel Gutes. Ja, es gibt selbstlose Liebe. Es gibt Verzicht zugunsten anderer. Es gibt Opferbereitschaft.

Ja, wir wissen aber auch um das andere: Es gibt Egoismus, der Einzelne und Gruppen gegeneinander in Kampf bringt.

Man teilt nicht und lässt nicht jedem das Nötige zukommen. Es gibt Neid und Hass. Es gibt Gewalt und Krieg. Es gibt Mobbing. Es gibt Unversöhnlichkeit. Oder einfach nur Gleichgültigkeit. Es gibt alle Arten von Bösartigkeit.

Kein Nachrichtentag vergeht, ohne dass über Böses im Großen und im Kleinen berichtet wird.

Und offene Augen und ein offener Blick nach innen, auf die eigenen Gedanken und Gefühle, zeigen auch genug Böses.

Warum ist das so?

Da das Böse ja nicht zu leugnen ist, gibt es viele Ansätze zu erklären, warum der eigentlich gute Mensch soviel Böses macht.

Jean Jaques Rousseau wird meist an erster Stelle genannt unter denen, die solche Erklärungen versucht haben.

Seine These: Der Mensch ist im Innersten gut. Kultur und Gesellschaft haben in dem Menschen falsche Triebe hervorgerufen, die das Böse hervorbringen. Der Naturmensch hatte das Problem nicht.

Bei ihm stößt man auf die Aussage: Wir postulieren, also setzen als richtig voraus, „dass der Mensch gut ist“ Es wird also behauptet, nicht gezeigt oder gar bewiesen.

Dazu passt: wo auch immer man diesen Naturmenschen gesucht hat, er wurde nicht gefunden.

Ein anderer bekannter Ansatz ist der des Kommunismus. Das Privateigentum hat den Menschen böse gemacht. Wenn das Privateigentum abgeschafft ist und jeder bekommt, was er braucht, dann verschwindet das Böse.

Der tiefgehendste Versuch, Menschen umzuerziehen, ist wohl in der Vergangenheit in China unternommen worden.

Heute schafft die Regierung dort ein Punktesystem, das die Menschen in bessere und schlechtere einteilt – nach den Vorgaben des Staates logischerweise. Die heile gute Welt mit guten Menschen ist da nicht entstanden.

Der neue gute Mensch, der nicht zuerst an sich denkt, ist nicht hervorgebracht worden.

Es ist ein schöner Gedanke: Eigentlich ist der Mensch gut. Wenn einer böse handelt, dann ist seine Erziehung schuld, oder es sind die Verhältnisse schuld, oder – das ist recht modern – es liegt an einem Defekt der Gene.

Wenn der Mensch gut ist und die Umstände ihn böse gemacht haben, dann ist die Konsequenz, dass er eigentlich nicht verantwortlich ist und man nur die Umstände ändern muss.

Wie gesagt, die Sicht der Bibel ist anders. Der Mensch, der die von Gott gesetzten Grenzen überschreitet, wird maßlos und handelt böse.

Und diese Beurteilung deutet die Ereignisse in der Welt besser als die gegenteilige Annahme.

Diese Behauptung stößt aber hart auf. So will man nicht denken. Sicher sind gerade unter uns viele wohlmeinende Menschen: die dazu neigen, Gutes zu denken, wohlwollend zu sein. Da stößt so eine Aussage hart auf.

Neben der Verärgerung führt diese Erkenntnis über den Menschen aber auch zur Veränderung. Sie öffnet den Blick für die notwendigen Gegenmaßnahmen.

Eine falsche Diagnose führt zu einer falschen Therapie.

Eine richtige e Diagnose ermöglicht eine andere Behandlung und Heilung.

Ein hartes Urteil: böse von Jugend auf!

Ist das eine Einzelstelle in einem ganz alten Text? In einem Text, der ohnehin schwer zu verstehen ist und viele Fragen aufwirft.

Leider nein. Auch Jesus hat gesagt: „Aus dem Herzen kommen böse Gedanken.“ Nicht was von außen in den Menschen hereinkommt macht den Menschen unrein, sondern, was aus ihm herauskommt.

Und fast beiläufig hat er auch gesagt „ihr, die ihr böse seid“.

Der spätere norwegische Bischof Ole Hallesby hat erzählt, wie er als Theologiestudent über diese Bemerkung stolperte.

Also, er ist auf diesen Nebensatz von Jesus gestoßen und hat sich furchtbar geärgert. Bei allem Wissen, um das Böse unter Menschen, schien ihm dieses Urteil doch zu generell und zu hart.

Dann hatte er den Gedanken, ich werde einfach das Gute tun!

Nach kurzer Zeit hat er aber gemerkt: Vorsatz und Wirklichkeit passen nicht zusammen: Ich tue immer noch Böses, ich denke immer noch Böses.

Er schloss daraus: Ich kann es nicht.

Aber bald kam er zur nächsten Erkenntnis: Ich will es nicht.

Vielleicht wollen Sie jetzt widersprechen. Die Mehrheit, der Menschen in der Gesellschaft und  ganz besonders auch in der Kirche, denken doch, dass sie zum Guten fähig sind und es meist auch tun). Dann probieren Sie es doch mal aus. Nehmen Sie als Maßstab, das, was Jesus gesagt hat, und machen Sie den Versuch von Hallesby einfach nach.

Seien sie doch einfach gut!

Gut ist es seinen Mitmenschen zu lieben (nicht einen, sondern alle, die man eben trifft).

Wer nicht weiß, was lieben ist: der Apostel Paulus hat es im

Probieren Sie es!

Wer feststellen muss: Ich tue es nicht. Ich tue es, nicht weil  ich nicht kann. Ich kann es nicht,, weil ich nicht will, der kann nicht mehr behaupten: Der Mensch ist gut.

Und diese Erkenntnis hat tiefe Konsequenzen: Wenn der Mensch gut ist, dann braucht es nur etwas Erziehung und die richtigen Verhältnisse.

Wenn er böse ist, braucht es eine ganz andere Lösung.

Gibt es überhaupt eine Lösung?

Der Mensch nutzt seine Freiheit zu entscheiden zum Tun des Bösen. So hat Gott es festgestellt. Und dann heißt es: Es gereute ihn, dass er den Menschen gemacht hat.

Und es kam die Sintflut. Nun geht Noah mit seiner Familie in die Welt zu einem Neuanfang.

Und Gott sagt: Der Mensch ist immer noch der Gleiche. D. h., der Schlamassel fängt wieder an.

Nun kann man fragen, warum Gott dann erst die Vernichtung durchgeführt hat. Aus der Sicht Gottes kann ich das logischerweise nicht beantworten.

Für uns Menschen liegt darin aber eine Erkenntnis: Wir fordern ja oft, dass Gott das Böse nicht zulassen soll und dass er gegen die Bösen etwas tun soll. Die Bösen sind natürlich immer die anderen. Wenn alle so wären wie ich, würde die Welt ja viel besser aussehen.

Die Wahrheit ist aber: Das Böse ausrotten, hieße alle Menschen ausrotten.

Wenn Gott so eingriffe, wie es nötig wäre, würde uns das nicht gefallen, wenn er aber so eingriffe, dass es uns gefallen würde, würde es nichts nützen.

So steht am Ende das Versprechen Gottes: Solange die Erde steht, werden nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Das heißt die Lebensgrundlagen bleiben erhalten. Das Leben geht weiter.

In dem Roman „Schnee fällt auf die Arche“ von Rudolf Otto Wiemer wird der Fortgang der Geschichte nach der Sintflut erzählt.

Viele Jahrzehnte danach muss Noah feststellen:

Es ist wie früher. Die Menschen handeln böse. Gegeneinander, egoistisch, sie schaden sich.

Das Böse ist nicht ausgerottet.

Er fragt sich: Braucht es eine neue Sintflut?

Er macht sich auf, nachzuschauen, ob die Arche denn noch zu gebrauchen ist.

Das ist zum Glück nur ein (guter) Roman!

Gott sagt zu dieser Lösung nein.

Und das Problem, das der Mensch böse ist?

Gott hat einen anderen Versuch unternommen: Er hat Menschen herausgerufen und besonders beschenkt und wollte an ihnen zeigen, wie gut es ist, wenn man ihm vertraut und auf ihn hört. Das ist die Geschichte des Volkes Israel. Als dies auch nicht zum Erfolg führte, hat er Jesus in die Welt geschickt.

Als Sühne für alles Böse hat er sich geopfert.

Vergebung für alles Böse hat er bewirkt.

Ihm sollen und dürfen wir unser Herz öffnen, dass er durch seinen Geist unser Herz verändert, dass seine Absichten unsere Absichten werden. In einem lebenslangen Prozess. Mühsam und langwierig. Aber eben überhaupt eine Möglichkeit, wo uns selbst die Möglichkeit zum Gutsein fehlt.

Das Urteil, der Mensch ist böse, zu akzeptieren, kann nur zur Konsequenz haben Jesus zu akzeptieren. Es kann nur zur Konsequenz haben, zu akzeptieren, dass man ihn braucht.

Umgekehrt gilt das aber auch: Wer darauf beharrt, gar nicht böse zu sein kann mit Jesus eigentlich nichts anfangen.

Da bleibt nur noch: Jesus als großer Lehrer. Das kommt gut an.

Das ist ein beliebtes Jesusbild. Jesus war weiter, als man selber ist, aber – ich kann mich weiterentwickeln und moralisch und ethisch weiterkommen. Ein Lehrer ist zwar weiter als der Schüler, aber der Schüler kann ja irgendwann den Lehrer ein- oder überholen. Demzufolge kann man – so meint man –  ja auch kritisieren und verbessern, was Jesus gesagt hat.

Es bleibt ein Jesus, der interessante Sachen gesagt hat und der hoch zu achten ist. Aber ihn auf Gedeih und Verderb brauchen, das tut man nicht.

Viele Menschen können letztlich mit Jesus nichts anfangen, weil sie nicht glauben, dass sie ihn nötig haben.

Wer das Urteil Gottes über die Menschen annimmt, der erkennt, dass er Jesus braucht.

Am Anfang und am Ende der Sintflutgeschichte steht zweimal das Gleiche: Der Mensch ist böse. Beim ersten Mal folgt darauf, dass Gott die Menschen vernichtet. Das ist eigentlich konsequent – wenn auch nicht erfreulich – allerdings ist Gott dann doch inkonsequent: Er rettete Noah. Beim zweiten Mal ist die Schlussfolgerung ganz unlogisch. Die Menschen sind böse, deshalb soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Gott hört nicht auf, mit dem Versuch, aus dem Menschen noch etwas Brauchbares zu machen. Ich habe vorhin schon das Weitere beschrieben. Trotz der Geschichte von der Vernichtung bleibt gültig: Gott hängt am Menschen.

Er hat seinen Sohn geopfert zu unserem Heil.

Das dürfen wir immer wieder dankbar annehmen und uns verändern lassen, in dem wir unser Wollen und Tun ihm überlassen.

Amen.

Wollen wir die Beurteilung Gottes über uns akzeptieren?

Dann folgt daraus ein Schuldbekenntnis und die Bitte um

Veränderung

Jesus will in unser Herz kommen und uns verändern.

Darf er das?

Oder wollen wir uns einreden, es allein zu packen gut zu sein. Oder sagen wir uns: Ich lass mir nicht reinreden, ich mach, was ich will. Und was ich will. Das allerdings bringt uns in Konflikt mit Gott und den anderen Menschen. Und führt uns nicht zum Glück.

Viele Menschen können letztlich mit Jesus nichts anfangen, weil sie nicht glauben, dass sie ihn nötig haben.

Wer akzeptiert, dass er ihn braucht und ihn annimmt, wird von ihm zum Guten verändert.

Amen.

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