umdenkenundglauben.de

Denken hilft zum Glauben. Glauben hilft die Welt zu verstehen.


Apg. 10, 21-35 Petrus im Dschungelcamp

Dürfen Sie überhaupt hier sein?

Das ist ein Gottesdienst.

Hier geht es um den heiligen Gott Israels.

Sie sind doch keine Juden?

Sie sind doch Heiden!

Das sehe ich doch!

Sie stammen doch von den Germanen ab. Ein paar von Ihnen vielleicht auch von Römern. Und einige kommen von noch weiter her.

Haben sie überhaupt rein gelebt? Koscher gegessen?

Sie halten das für selbstverständlich hier sein zu dürfen?

Sie haben ihren Glauben geerbt? Das hier ist das christliche Abendland, hier geht es um ihre Religion!

So? Hat Gott denn Deutschland erwählt oder Israel? Häh?

So selbstverständlich, wie Sie das denken, ist das ja nun nicht!

Ob Sie dazugehören dürfen? Um das zu klären, muss ich eine Geschichte erzählen.

Ein Geschichte von zwei Männern.

Von Kornelius einem röm. Hauptmann, dem Befehlshaber über eine Hundertschaft in Cäsarea. Cäsarea liegt am Mittelmeer,es war eine Großstadt mit zeitweilig bis zu 120.000 Einwohnern. Sie ist zur Zeit unserer Geschichte Residenzstadt des römischen Prokurators.

.In Cäsarea lebt eine Ansammlung von Menschen verschiedener Religionen. Kornelius, der römische Hauptmann lernt hier den jüdischen Glauben kennen.

Es gibt einen Gott. Es gibt ein Buch, in dem viel über diesen Gott zu lesen ist. Es ist ein Buch mit Geschichten und Erfahrungen von Menschen mit diesen Gott. Es enthält eine Ethik, die ein gutes Miteinander fördert.

Kornelius ist angezogen von diesem Glauben.

Die röm. Götter sind ihm fragwürdig geworden. Sie sind ja stumm und tot.

Vielen Menschen ging es damals so.

Die Juden nannten diese Menschen „Gottesfürchtige“.

So hatte Gott sich das ja auch gedacht. Durch die Juden sollten die anderen Menschen auf ihn aufmerksam werden. Diese Gottesfürchtigen hielten sich an Teile der Verhaltensregeln, in diesem Buch.

Almosen werden erwähnt. Kornelius betet zu dem Gott Israels.

Ein völliger Übertritt ist schwierig, aber er sucht diesen Gott.

Von Gottesfürchtigen wird uns an vielen Stellen erzählt.

Auch ohne vollständigen Übertritt verehrten sie den Gott, den auch die Juden verehrten, als den einen Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat.

Und Gott hat gesagt: „Wer mich von ganzem Herzen sucht, von dem will ich mich finden lassen.“

So schickt Gott dem Kornelius einen Engel.

Nicht so einen Engel der Besinnlichkeit, des Trostes, keinen Engel des Tages, der Zuversicht, der Geborgenheit, sondern einen Richtigen, Echten.

… erzählen … Apg. 10,1-8

Und jetzt kommt der andere Mann ins Spiel. Es ist Simon Petrus. Den kennen Sie.

Wir bekommen von ihm aber eine Seite gezeigt, die uns oft nicht so vor Augen steht.

Er geht um die Mittagszeit aufs Flachdach des Hauses, um zu beten.

Er hält sich an die Gebetszeiten. Er steht in der Tradition seiner Religion. Feste Zeiten zum Beten sind gut.

Und ganz menschlich, er bekommt Hunger. Und dann hat auch er eine Vision.

Er sieht den Himmel offen und vom Himmel herab kommt etwas wie ein großes Tischtuch.

Es sinkt vor ihm auf den Boden. Auf dem Tischtuch wimmelt es von Tieren und jetzt muss Petrus sich vorkommen wie die Kandidaten im Dschungelcamp: Sämtliche Tiere auf dem Tuch gehören in die Kategorie: Bäh, pfui, eklig und verboten.

Sie sind unrein, ungenießbar und von Gott nicht für den menschlichen Verzehr zugelassen: Schweine sind aus unserer Sicht noch das Harmloseste, aber auch Echsen und viele Vogelarten u. a. gehören dazu. Von Kindheit an hatte Petrus gelernt, sich vor solchen Tieren fernzuhalten und sie zu verabscheuen, so wie wir uns davor scheuen Kakerlaken, Spinnen oder Quallen zu essen.

Keine schöne Vision für Petrus: Er ist hungrig und vor ihm liegt ein Tuch mit lauter Tieren, die eklig und verboten sind.

Aber es kommt noch schlimmer: Vom Himmel erklingt die göttliche Stimme und fordert Petrus auf: „Steh auf, Petrus, schlachte und iss!“ –

Petrus schüttelt es und er erwidert: „O nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Verbotenes und Unreines gegessen.“

Wir sehen: Er ist Jude durch und durch. Natürlich ist er das. Da hast sich ja durch Jesus nichts geändert. Jesus ist der Messias, der zu seinem Volk gekommen ist.

Jesus selbst sagte: Zum Volk Israel sei er gesandt. Die anderen Menschen haben nur am Rande etwas von seiner Sendung abbekommen.

Doch die göttliche Stimme ist unerbittlich: „Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten.“ Petrus schüttelt es weiterhin, auf keinen Fall will er der Anweisung Folge leisten. Doch die göttliche Stimme ist hartnäckig. Sie wiederholt die Anweisung noch zweimal. Es gibt kein Vertun. Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten. Damit endet die Vision und das Tuch entschwindet wieder in den Himmel. Petrus bleibt verwirrt zurück und rätselt, was die Vision nun genau bedeuten soll.

Da klopft es an der Tür.

Und Gott gibt Petrus durch seinen Geist zu verstehen, dass Gott mit dieser Vision gewissermaßen den Besuch angekündigt hat.

An der Tür sind drei Männer, darunter ein röm. Soldat.

Sie bitten ihn nach Cäsarea zu kommen, zum Hauptmann Kornelius und darauf kann er sich jetzt einlassen.

Und da setzt der Predigtabschnitt ein:

23b Am anderen Morgen machte sich Petrus mit ihnen auf den Weg; einige Brüder aus Joppe begleiteten ihn.

24 Am Tag darauf kamen sie in Cäsarea an. Kornelius hatte seine Verwandten und die engsten Freunde zusammengerufen und erwartete sie.

25 Als Petrus durchs Hoftor trat, kam ihm Kornelius entgegen und warf sich vor ihm nieder.

26 Doch Petrus zog ihn hoch und sagte: »Steh auf, ich bin auch nur ein Mensch!«

27 Er sprach noch weiter mit ihm und betrat dabei das Haus.

Als er die vielen Leute sah,

28 sagte er zu ihnen: »Ihr wisst, dass ein Jude nicht mit einem Nichtjuden verkehren und vollends nicht sein Haus betreten darf. Aber mir hat Gott gezeigt, dass ich keinen Menschen als unrein oder unberührbar betrachten soll.

29 Deshalb bin ich eurer Einladung ohne Widerrede gefolgt. Aber jetzt möchte ich doch gern erfahren, warum ihr mich gerufen habt!«

30 Kornelius antwortete: »Es war vor drei Tagen, ungefähr zur selben Zeit wie jetzt. Ich betete hier im Haus zur Gebetszeit um drei Uhr nachmittags, als plötzlich ein Mann in leuchtendem Gewand vor mir stand

31 und sagte: ‚Kornelius, Gott hat deine Gebete erhört, und er will dir das Gute vergelten, das du den Armen getan hast.

32 Schicke darum Boten nach Joppe und lass Simon mit dem Beinamen Petrus zu dir bitten! Er ist zu Gast beim Gerber Simon unten am Meer!‘

33 Da habe ich sofort zu dir geschickt, und ich freue mich, dass du gekommen bist. Nun sind wir alle hier vor Gott versammelt und bereit zu hören, was der Herr dir aufgetragen hat.«

Kornelius.34 Petrus begann zu sprechen:

»Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott keine Unterschiede macht!

35 Er liebt alle Menschen, ganz gleich, zu welchem Volk sie gehören, wenn sie ihn nur ernst nehmen und tun, was vor ihm recht ist.

36 Seinem Volk Israel hat er die Botschaft verkünden lassen, dass er Frieden gestiftet hat durch Jesus Christus – aber dieser Jesus Christus ist ja der Herr über alle!

Petrus überschreitet eine Grenze. Eine Grenze zu überschreiten, ist nicht immer eine einfache Sache. Schengenraum ist nicht überall. Manche Grenzen sind mit Zäunen und Mauern befestigt. Da liegt es auf der Hand, dass sie nicht leicht zu passieren sind. Aber es gibt Grenzen, die nur in den Köpfen existieren, und die doch so undurchlässig sind wie Grenzen aus Beton und Stahl. Eine solch massive, nur in den Köpfen existierende Grenze, haben die ersten Christen überschritten, als sie sich für Menschen öffneten, die bis dahin Heiden waren. Unsere Geschichte von Petrus und Kornelius dokumentiert diesen schwierigen Prozess der Grenzüberwindung.

Wie schwierig und wie bedeutsam er ist, wird an mehreren Punkten sichtbar: 1. Es ist die längste Einzelerzählung in der ganzen Apostelgeschichte.

2. Sie ist eine zentrale Schaltstelle im ganzen Buch,

3. Es wird auf dieses Ereignis beim Apostelkonzil Bezug genommen. Das Apostelkonzil war die erste große Kirchenversammlung. In Apg 15, fünf Kapitel später wird davon berichtet.

4. Bedarf es mehrerer deutlicher Hinweise Gottes

Gott benutzt eine Menge Mittel, damit am Ende der Grenzübertritt tatsächlich gelingt.

Dieses Ereignis ist eine Schlüsselszene, die von der Öffnung des judenchristlichen Glaubens hin zur (römischen) Heidenwelt handelt. Sie stellt uns vor Augen, wie undenkbar es für die ersten Christen, die alle Juden waren, gewesen ist, zu den Heiden zu gehen. Sie stellt uns vor Augen: Glaube an Jesus Christus sprengt Grenzen! Glaube an Jesus Christus lehrt uns, im Gegenüber den Menschen zu sehen, nicht den Unreinen, den Fremden, den Andersartigen. So wird die christliche

Gemeinde eine vielfältige Gemeinde, in der der judenchristliche Fischer vom See Genezareth ebenso seinen Platz hat wie der römische Hauptmann aus Caesarea. Bis heute hat sich diese Vielfalt erweitert um Afrikaner, Asiaten, Franken, Kelten, Schwaben, Allemannen, Sachsen und sogar Pfälzer usw. Sie kann auch immer noch Milieugrenzen überwinden und Menschen unterschiedlicher Lebenswelten, Einstellungen und Überzeugungen um Jesu willen zusammenführen?

Heute bauen sich andere Mauern auf.

Im Grunde genommen sind in den meisten Kirchengemeinden nur Menschen, die sich auch in Bezug auf Ihre Lebensstile ähneln, anders gesagt, die gleichen Milieus angehören.

Wir haben unsere Formen, Gott zu verehren. Wir wissen, wie das richtig ist.

Da sollen die anderen sich anpassen.

Aber müssen die anderen wirklich so werden wie wir?

Müssen Sie unsere Kultur übernehmen?

Oder wollen wir schauen, was das unverzichtbare an einem christlichen Leben ist, und darüber hinaus Vielfalt leben.

Wollen wir gemeinsam fragen, welche Kultur zum Glauben an Christus passt, so wie es die ersten Christen mit Gottes Hilfe getan haben.

Gott führt diesen Lernprozess jedenfalls zu Ende.

Damit auch gar keine Zweifel aufkommen können, gibt es dann noch ein kleines Pfingsten. Die versammelten Heiden empfangen den Heiligen Geist und die anwesenden Christen konstatieren, dass man ihnen dann ja wohl nicht die Taufe verweigern kann.                              Amen.