Apg. 4, 32 All die vielen Menschen, die zum Glauben an Jesus gefunden hatten, waren ein Herz und eine Seele. Niemand von ihnen betrachtete etwas von seinem Besitz als persönliches Eigentum; alles, was sie besaßen, gehörte ihnen gemeinsam.
33 Mit großer Kraft und bestätigt durch Wundertaten bezeugten die Apostel Jesus als den auferstandenen Herrn, und für alle sichtbar lag großer Segen auf der ganzen Gemeinde.
34 Es gab unter ihnen niemand, der Not leiden mußte. Denn die in der Gemeinde, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften sie, wenn es an etwas fehlte, brachten den Erlös herbei
35 und legten ihn vor den Füßen der Apostel nieder. Das wurde dann unter die Bedürftigen verteilt.
36 So machte es auch Josef, ein Levit aus Zypern, den die Apostel Barnabas nannten, das heißt »der Mann, der anderen Mut macht«.
37 Er verkaufte seinen Acker, brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.
Zitat aus Gute Nachricht Bibel ©2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
L.G.
im Laufe eines jeden Lebens entsteht ein Geflecht von Dingen, die einem wichtig sind. Man entwickelt ein Verhältnis zu anderen Menschen, zu den Nahestehenden und den Fernstehenden, zu seiner Arbeit, zu seinem Besitz, zum Umgang mit seiner Zeit. Ein, nennen wir es Wertegeflecht, wo geordnet ist, was einem wie wichtig ist, was man tut und lässt, was man vorzieht oder zurückstellt.
Man denkt ja nicht jeden Tag nach, welchen Stellenwert all das haben soll oder wie manmit einer Sache umgehen will, es hat sich ja verfestigt.
Aber wenn sich dann plötzlich die gewohnten Rahmen-bedingungen ändern würden?
Da kommt eine Pandemie und mit einem Mal ist gesund bleiben wichtiger als shoppen gehen oder bei einem großen Event mit Tausenden von Menschen ausgelassen zu feiern.
Shoppen gehen ist auf einmal verzichtbar.
Aber machen wir es mal größer: Wenn Ihnen plötzlich ein unermesslich großer Schatz geschenkt würde? Wenn sie plötzlich entdecken würden, dass sie zu einer ganz anderen Familie gehören würden (sagen wir nach der Geburt vertauscht, in Wirklichkeit ein Königskind.)
Wie würde dann Ihr Wertegefüge, wie würde die Einschätzung von richtig und wichtig, von falsch und unwichtig, durcheinanderkommen?
Aber auch diese Vergleiche sind noch viel zu klein: Was ist schon ein Schatz? Was ist schon Hochadel?
Schauen wir auf etwas wirklich Krasses: Was wäre, wenn einer von den Toten zurückkäme?
Wenn damit deutlich würde, sie werden ewig leben. Und wenn Sie das wollen, werden Sie die Ewigkeit sogar bei dem ewigen guten Gott verbringen.
Ihre Fehler müssen sie nicht büßen oder abarbeiten oder im Fegefeuer absitzen, nein alle Schuld wird gelöscht, das gigantisch überzogene Konto auf null gesetzt, wenn sie das nur wollen.
Wie würde sich dann das Wertegefüge ändern?
In der Apg. wird uns erzählt, wie die Apostel in der frühen christlichen Zeit in Ihrer Welt bekannt gemacht haben, dass Jesus Christus auferstanden ist, dass sein Tod am Kreuz Vergebung ermöglicht und dass sein Kommen in die Welt offengelegt hat, wie sehr Gott uns lieb hat.
Viele Menschen haben dieser Botschaft Glauben geschenkt und den Auferstandenen durch seinen Geist erfahren.
Das hat ihr Wertegefüge völlig durcheinandergebracht.
Es ist eben ein riesiger Unterschied, ob man seine Lebenszeit hier verlebt und dann zerfällt und nicht mehr ist, oder ob man hier lebt in Vorbereitung auf eine um ein vielfach bessere Zukunft danach.
Da ändern sich die Wichtigkeiten.
Über die Christen damals heißt es, wie wir hörten: Sie waren „ein Herz und eine Seele“ und „Niemand von ihnen betrachtete etwas von seinem Besitz als persönliches Eigentum; alles, was sie besaßen, gehörte ihnen gemeinsam.“
Da sind die Werte aber mal gründlich durcheinandergekommen!
Normalerweise versucht man, festzuhalten, was man hat. Die geben einfach her.
Aus Ihrem Glauben fingen sie an, anders zu handeln.
So anders, dass wir es uns heute gar nicht vorstellen können.
Zwei Kapitel weiter vorne wurde schon Unglaubliches erzählt: Die trafen sich jeden Tag in der Gemeinde, beteten, hörten Gottes Wort und feierten Abendmahl.
Jeden Tag Gottesdienst! Nicht 24-mal in der Konfirmandenzeit, nicht ab und zu, wenn einem danach ist, nicht nur, wenn die eigenen Lieblingslieder gesungen werden.
Die taten das, weil sie von Jesus so begeistert waren. Nicht nur während eines Lobpreisabends, sondern jeden Tag, mit Herz und Seele.
Was für eine Gemeinde wird uns hier vor Augen gestellt!
Weil sie alle wussten: Gott hat uns lieb in Christus, darum hatten sie auch einander lieb. Diese Liebe führte bei ihnen zur Aktion, führte zum Geben Helfen, Teilen. Schwache wurden nicht missachtet. Kranke wurden nicht sich selbst überlassen. Waisen und Witwen mussten nicht um ihr Überleben betteln. Was für eine Veränderung ist da in die Welt gekommen!
Was für ein starker Geist treibt sie an! Sie sehen alles mit neuen Augen, sich selbst, ihre Mitmenschen, die Zukunft, die Gott ihnen eröffnet hat. Durch ihr Helfen und Opfern nehmen die Christen keinen Schaden, sie gewinnen viel Gegenliebe der Beschenkten, schöpfen Freude für den eigenen Alltag, werden innerlich reicher.
Alles ideal? Nein, sie blieben Menschen.
Lukas schreibt auch von Unmut über nicht faire Verteilung, über Menschen, die doch an Ihrem Besitz hängen.
„Ein Herz und eine Seele“ (so von Luther geprägt) verniedlicht das Ganze: Die Redewendung »ein Herz und eine Seele« bezeichnet heute die Seelenverwandtschaft von Menschen. Man kann über dieselben Dinge lachen und weinen, man empfindet genauso und hat deshalb wenig Konflikte, es gibt keine verschiedenen Meinungen oder Charakterzüge, die sich aneinander reiben.
Die Formulierung hat aber eher in Anklang an Gottes Gebot „Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen und ganzer Seele“, verwendet. D.h. mit ganzem Wollen, mit ganzer Vernunft und allem Gefühl.“, sollen wir Gott lieben. Mit Herz und Seele. Und wo viele das tut, sind sie ein Herz und eine Seele.
Eine Gemeinde mit einem Herzen und einer Seele hat eine Liebe: Jesus; ein gemeinsames Ziel: das Reich Gottes; eine gemeinsame Hoffnung: die Auferstehung zum Leben.
Die gemeinsame Leidenschaft und nicht gemeinsame Gefühle und Vorlieben einen die Christen in Jerusalem.
Vielleicht hört der andere in der Gemeinde ganz andere Musik als ich. Er hat ganz andere Vorlieben. Wir würden nicht gemeinsam in den Urlaub fahren. Doch es ist der gleiche Herr, der uns erlöst hat. Auch wenn wir uns gerne mit Seelenverwandten zusammentun, uns mit denen in unseren Kreisen und Gottesdiensten treffen, mit denen wir uns verstehen. Der Heilige Geist schafft Einheit und Gemeinschaft, die nicht mehr bestimmt wird durch Wohlbehagen und nicht begrenzt wird durch Angst. Selbst Fremde fügt der Geist in einem Leib zusammen. Gemeindearbeit, Gemeindeerneuerung und Gemeindeaufbau wurzeln darum in der Bitte: »Komm. Heiliger Geist. «
Jesus war mit seinen Jüngern unterwegs. Sie teilten ihr Leben.
Sie wurden verändert. Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger hatten eine gemeinsame Kasse. Mit dem Eintritt in die Nachfolge Jesu gaben die Jünger die Sorge um den eigenen Besitz auf. Sie vertrauten sich der Fürsorge des Vaters an. Jesus verspricht Ihnen himmlische und irdische Güter. Sie dienen nicht mehr dem Mammon und sind frei von der Habgier. In Jerusalem führte dieses Vorbild zu dem beschriebenen »gemeinschaftlichen Eigentum«. Rechte wurden nicht aufgehoben, doch viele verkauften ihren Besitz (Apg 4,34). Nicht mehr »mein eigen« bestimmte das Handeln, sondern die Erfahrung des Teilgebens. In Freiheit konnte das Vermögen »aus der Hand gegeben« und den Aposteln und der Gemeinde anvertraut werden.
Auch war keiner mehr für das Lebensnotwendige auf sich allein gestellt. Wer etwas nötig hatte, erhielt es. Die gemeinsame Fürsorge der Christen untereinander, wurde zur Praxis gegenseitiger Unterstützung der christlichen Gemeinden der ersten Jahrzehnte.
Christus hat die Gläubigen erneuert, deshalb änderte sich auch ihre Beziehung zu Geld und Besitz. Weil die Liebe des Christus ihr Herz erfüllte, konnten sie loslassen und waren bereit, anderen zu helfen. Die einen verkauften ihren Besitz und spendeten das Geld. Andere behielten ihren Besitz und setzten ihn ein zum Wohl der Gemeinde ein.
„Es gab unter ihnen niemand, der Not leiden musste. Denn die in der Gemeinde, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften sie, wenn es an etwas fehlte.“
Allerdings: Nachhaltig war das nicht.
Später lesen wir, dass in anderen Gemeinden für die arme Jerusalemer Gemeinde gesammelt wurde.
Man hatte die Erwartung, dass Jesus sehr bald wiederkommt. Warum sollte man Vorsorge treffen?
Die Beschreibung ist keine Anweisung zum Wirtschaften. Keine Anleitung für das geschäftliche Handeln.
Sie ist auch kein Urkommunismus. Einige Kommunisten sahen in der Gütergemeinschaft der Urgemeinde Kommunismus in Ansätzen verwirklicht. Sie übersahen, dass hier von freiwilligem Abgeben und nicht von Enteignung die Rede ist und sie übersahen, dass hier zuerst veränderte Menschen da sind und dann andere Verhältnisse geschaffen wurden. Also umgekehrt, wie das Karl Marx gelehrt hat.
Aber es kann nicht anders sein. Glaube an Gottes Handeln in Jesus Christus verändert Christen in Ihrem Wertesystem und berührt auch unseren Geldbeutel, unser Girokonto, unseren Grundbesitz. Zu allen Zeiten haben Christen verstanden, es geht darum, Gott zu lieben, von ganzem Herzen – und mit meinem ganzen Vermögen! Was ich habe, ist mir von Gott anvertraut, um ihn damit zu preisen und meinem Nächsten zu dienen.
Martin Luther hat das unvergleichlich und humorvoll gesagt: „Wer etwas hat, der sei ein Herr über dieses Gut. Wenn er einen sieht, der keinen Rock hat, so spricht er zum Geld: Heraus, Junker Gulden, dort ist ein armer nackter Mann, der hat keinen Rock, dem musst du dienen. Dort liegt einer krank, der hat keine Labung. Hervor, Junker Gulden, hervor, Junker Joachimstaler, ihr müsst fort! Hin und helft ihm!
Die so mit ihrem Gut umgehen, die sind Herren ihres Guts, und das tun gewiss alle rechtschaffenen Christen.“
Heute würde er vielleicht sagen: Ihr Mieteinnahmen – transferiert euch, Ihr Dividenden macht euch locker. Ihr Euros macht es euch nicht auf dem Konto gemütlich. Geht hin, lindert die Not, helft den Armen, zeigt ihnen, dass Gott sie lieb hat.
Jesus hat auch gesagt. Arme werdet Ihr immer bei Euch haben. Er hatte nicht die Illusion, dass in dieser Welt alles heil und harmonisch wird. Es soll aber auch nicht alles so bleiben.
Wenn das Wesentliche unser Leben bestimmt, können wir Unwesentliches spenden.
Die Not der Welt ist so groß, dass wir nicht alles ändern können. Aufrufe zum Spenden und Helfen kommen von allen Seiten. Überall zu geben, würde wohl bei jedem von uns die Möglichkeiten überschreiten.
Aber wenn die Werte geordnet sind, wenn beachtet wird, dass wir von Gott beschenkt sind, wenn die Freude und Dankbarkeit darüber das Leben prägt, dann hat Gottes Geist leichtes Spiel uns zu zeigen, wo und wie wir helfen können und sollen.
Noch einmal Martin Luther: „Soll ein Christ geben, so muss er zuvor haben. Und soll er morgen oder übermorgen oder in einem Jahr auch geben, so kann er nicht heute alles weggeben. Das begehrt unser Herr Christus nicht, dass ich mich mit meinem Gut zum Bettler und den Bettler zum Herrn mache.“ Aber Eigentum ist zum Dienen da. So wollen wir es ansehen. An Gottes Gaben fehlt es nicht, aber oft an dienstbereiten Menschen. Geld, Kraft, Zeit, Fähigkeiten hat er ausgeteilt. Das sollen wir nicht festhalten nur für uns selbst, sondern klug einsetzen und verwalten.
Wir können das tun, in dem Wissen, es ist der Glaube, dass uns alles, was wir haben, nicht gehört, sondern von Gott anvertraut ist. Was in unseren Händen ist, hat uns Gott gegeben. Gott hat uns ausgestattet mit Fähigkeiten, mit Besitz, mit Gesundheit und Zeit. Und das alles nicht, nur um es zu haben und zu genießen, sondern um Gutes zu tun.
Paulus schreibt an die Galater:
„Solange wir also noch Zeit haben, wollen wir allen Menschen Gutes tun, besonders denen, die mit uns durch den Glauben verbunden sind.“
Darauf ein kräftiges: Amen.