31 Jesus nahm die Zwölf beiseite und sagte zu ihnen: »Hört zu! Wir gehen nach Jerusalem. Dort wird alles in Erfüllung gehen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben:
32 Er wird den Fremden ausgeliefert werden, die Gott nicht kennen. Er wird verspottet und beleidigt und angespuckt werden.
33 Sie werden ihn auspeitschen und töten, doch am dritten Tag wird er auferstehen.«
34 Die Zwölf verstanden kein Wort. Was Jesus sagte, blieb ihnen verborgen; sie wussten nicht, wovon er sprach.
35 Als Jesus in die Nähe von Jericho kam, saß dort ein Blinder am Straßenrand und bettelte.
36 Er hörte die Menge vorbeiziehen und fragte, was da los sei.
37 Er erfuhr, dass Jesus aus Nazareth vorbeikomme.
38 Da rief er laut: »Jesus, Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir!«
39 Die Leute, die Jesus vorausgingen, fuhren ihn an, er solle still sein; aber er schrie nur noch lauter: »Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!«
40 Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich holen. Als er herangekommen war, fragte ihn Jesus:
41 »Was soll ich für dich tun?«
Er antwortete: »Herr, ich möchte wieder sehen können!«
42 Jesus sagte: »Du sollst sehen können! Dein Vertrauen hat dich gerettet.«
43 Sofort konnte der Blinde sehen. Er pries Gott und folgte Jesus. Und das ganze Volk, das dabei war, rühmte Gott.
Gute Nachricht Bibel ©2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Liebe Gemeinde,
das ist schon eine seltsame Sache:
In diesen Tagen herrscht überall draußen närrisches Treiben.
Spaß ist angesagt. Die Menschen sind ausgelassen.
Es ist die 5. Jahreszeit. Da will man mal alles Alltägliche vergessen. Das scheint notwendig zu sein. Im Alltag in einem reichen Land hat man ja sonst keinen Spaß.
Und wenn man so über sein Leben nachdenkt, ach da will man über vieles lieber nicht nachdenken.
Viele wollen auch mal einfach die Sau rauslassen.
Was für ein interessanter Ausdruck! Man kann ja nur rauslassen, was drin ist. Die Sau ist also sonst mühsam
eingesperrt.
Und wir feiern einen Gottesdienst. Da geht es relativ ernst zu,
spaßarm zu. Vergnügungssteuerpflichtig ist dass eher nicht.
Besinnlich und nachdenklich geht es zu. Und trotzdem sind sie
(bis auf manche Konfirmanden vielleicht) freiwillig hier.
Sind wir närrisch? Sind wir verrückt? Haben wir nicht alle Tassen im Schrank?
Statt die Sau rauszulassen, feiern wir Gottesdienst.
Von Narretei war auch in der Schriftlesung die Rede. (1. Kor 1,17b-25).
Von Torheit und Unsinn spricht der Apostel Paulus.
Das Heil der Menschen, das, was Menschen erneuert,
was die Sau in uns zähmt, was die Welt letztlich erneuern wird, kommt durch den, den sie gekreuzigt haben.
Die das glauben, was sind das für Narren!
Aber vielleicht ist ja Jesus selbst ein Narr.
Was er seinen Jüngern sagt und was er macht: Das ist verrückt.
„Wir gehen nach Jerusalem“. So weit so gut. Eine Wallfahrt eine Reise, warum nicht?
Er geht ins Zentrum Israels. Da kann er seine Macht entfalten und zeigen, wer er ist – so denken vielleicht seine Jünger.
Jesus aber sagt: „Dort wird er den Fremden ausgeliefert werden, die Gott nicht kennen. Er wird verspottet und beleidigt und angespuckt werden. Sie werden ihn auspeitschen und töten, doch am dritten Tag wird er auferstehen.“
Ist das nicht närrisch?
Wenn ich sagen würde „In Speyer werden sie mich töten“, wohin würde ich dann anschließend gehen? Gewiss nicht nach Speyer. Ich bin doch nicht närrisch!
„Dort wird alles in Erfüllung gehen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben“, sagt er weiter.
Haben die Propheten nicht von Heil und Sieg durch den Messias geschrieben?
Ist der denn närrisch?
Und ob Jesus gedacht hat, dass seine Jünger Narren sind?
Er hat es ihnen mehrfach gesagt, Ihnen erklärt, sein Leben soll ein „Lösegeld“ sein.
Wieso verstehen Sie nichts. Gehts noch?
Redet er denn chinesisch?
Oder ob er verstanden hat, dass man das nicht verstehen kann, bzw. erst später?
Jesus geht weiter auf dem Weg nach Jerusalem.
Viele sind in seinem Gefolge. Was sie erwarten?
Viele: So darf man annehmen erwarteten Triumphe, Spektakel.
Der Umzug geht weiter, nicht so geordnet wie ein Karnevalsumzug.
Da gab es mehr Chaos, aber weniger Kamellen.
Eine Menge Menschen ist mit Jesus unterwegs.
Und das sitzt dann ein in Blinder Bettler am Weg.
Er stört!
Er schreit wie verrückt:“ Jesus , Sohn Davids, erbarme dich meiner“.
Er stört den Umzug.
Ist der närrisch?
Was will der denn?
Ein Extraalmosen?
Meint er Jesus, ist reich?
Er will mehr. Er glaubt, dass Jesus ihn heilen kann!
Ist der närrisch?
Sind die nicht närrisch, die von Jesus Wunder erwarten?
Verrückt?
Sie erwarten etwas, was es nach den natürlichen Möglichkeiten nicht gibt.
Aber kurz danach kann er wieder sehen. Verrückt! Närrisch.
Schon Mitte des vergangenen Jahrhunderts hat einer der berühmtesten Theologen Deutschlands konstatiert: Dass ein moderner Mensch, der einen elektrischen Rasierapparat benutzt, nicht mehr an Wunder glauben kann.
Wer es doch tut, der ist doch närrisch!
Zum Glück hat Jesus das noch nicht gewusst!
Und als dann der Blinde wieder sehen kann:
Was hätte ein zufälliger Besucher, der nicht mitbekommen hat, was geschehen ist, gedacht: Sind die Menschen, die hier stehen, närrisch? Die worshippen, singen den Lobpreis Gottes.
Was ist denn in die gefahren?
Ah so, ein Blinder ist plötzlich sehend geworden,
So, so!
Aha crazy!
Menschen, die mit Gottes Macht nicht rechnen, müssen das närrisch finden, damals wie heute.
Es ist schwer zu verstehen, wenn man es nicht erlebt hat.
Der Blinde folgt Jesus.
Er ist sehend geworden. Ist der jetzt auch närrisch geworden?
Könnte er nicht jetzt Geld… Geld verdienen, seiner Familie mal was Schönes ermöglichen?
Eine Kreuzfahrt machen, Badeurlaub am Mittelmeer, unabhängig leben, Spaß haben …
Das wurden schon viele gefragt, die Ihre Prioritäten verändert haben.
Aber wenn einer durch Jesus beschenkt wird, mit Gottes Nähe, mit Vergebung, mit Lebenssinn, mit ethischer Orientierung, mit Befreiung von Abhängigkeiten, vielleicht auch mit körperlicher Heilung, sollte der nicht Jesus nachfolgen, auf ihn hören, nach seinem Willen leben?
Es nicht zu tun, das wäre ja närrisch!
„Sollt ich dem nicht angehören, der sein Leben für mich gab“, heißt es in einem Gesangbuchlied.
Er zieht mit nach Jerusalem. Er schließt sich diesem Narrenzug an.
Er geht mit mit Jesus, der meint sterben zu müssen.
Und der glaubt, dass wenn er nach fürchterlichen Qualen endlich tot sein wird, dass er dann wieder auferstehen wird?
Er geht mit seinen Jüngern, die das für Narretei halten und trotzdem mitgehen, die trotzdem glauben: Er wird Israel erlösen.
So sind sie weitergezogen, nach Jerusalem.
Es kam der Karfreitag, es kam Ostern und es wurde
Pfingsten.
Christen sind in die Welt gezogen, mit der Botschaft, dass Jesus der Erlöser ist.
Viele hielten das für Narretei.
Christen dagegen sagen, es ist Wahrheit, es ist Weisheit.
In keinem anderen ist das Heil.
Sie sagen: „Schlagt das nicht aus. Das wäre närrisch“.
Viele Christen tun sich mit dieser Torheit, dieser Narretei schwer: Viele versuchen sich, um diesen Kern des christlichen Glaubens herum zu lavieren und einen anderen wahren Kern zu isolieren.
Vor Kurzem habe ich in unserem Pfarrerblatt gelesen:
Jesu hat doch das Reich Gottes gelehrt – das müssen wir verkündigen und errichten. Die Botschaft vom Kreuz – das kann doch eh keiner glauben.
Ein anderer fordert in diesem Sinn: „Schluss mit schuldig“.
Es gab und gibt viele Versuche die Botschaft anzupassen, die einleuchtenden Teile zu behalten, zum Beispiel die Nächstenliebe.
Das wäre ja auch eine super Sache, wenn man sie üben würde!
Aber wenn nicht, brauchen wir dann nicht Vergebung?
Jesus wusste, was geschehen würde. Sein Tod war nicht das unglückliche Ende eines Narren.
Seine Auferstehung kein Akt des Aufbäumens, den die Fantasie der Jünger hervorgebracht hat, sondern Gottes machtvolles Eingreifen.
Die Botschaft, die davon durch die Welt läuft, ist keine Narretei, sondern Gottes Antwort auf unsere heillose Welt.
Und darauf ein dreifaches Amen.