Offenbarung 21, 1-8 Gott zieht um

Liebe Gemeinde,
die Welt braucht ein Reset, das nur der Hersteller durchführen kann.
Ein solcher Reset, eine völlige Erneuerung, wird uns in diesem Abschnitt, der Johannes offenbart wurde, erzählt.
Und weil das unsere Vorstellungswelt übersteigt, wird es uns in Bildern und Vergleichen erzählt, deren Zielgedanken wir verstehen können.
In dieser Woche habe ich mit drei jungen Männern über diesen Abschnitt gesprochen. Schnell waren wir bei Fragen, die wir nicht beantwortet bekommen: Was wird dann aus der alten Erde und dem alten Universum? Was wird man in der Ewigkeit tun? Das können wir nicht verstehen, es übersteigt einfach unsere Vorstellungskraft. Dass es aber nur das gibt, was wir uns vorstellen können, das wird ja wohl auch keiner behaupten. Auch wenn wir uns nicht alles vorstellen können, was diese Verwandlung bedeutet, das können wir verstehen.
Im Kern geht es darum:
Der König zieht um! Er hat sein großes Schloss verlassen, um in ein noch größeres Schloss zu bewohnen. Und dieses Schloss hat es – im wahrsten Wortsinn – »in sich«: Während der König vom bisherigen Schloss aus zwar, durch zahllose Beamte, das Land regierte, war er doch in seinem Schloss für sein Volk unzugänglich geblieben. Audienzen »von Angesicht zu Angesicht« waren nie gewährt worden; lediglich telefonisch vermittelte Anfragen oder E-Mail waren möglich.
Im neuen Schloss wird alles anders: Es ist nicht nur viel, viel größer. Es werden auch die Tore zu Schloss und Schlosspark geöffnet und die Security wird abgezogen. Ab sofort haben alle Bürger des Landes freien Zugang. Sie können an den Mahlzeitendes Königs teilnehmen, sich auf dem Schloss-gelände wohnen.
Alle Menschen des Landes, die in den Bürgerlisten verzeichnet sind, werden vom König formal adoptiert. Sie werden seine Kinder und sind damit Miteigentümer von allem, was der König und der Hof besitzen. Der König zieht um und ist nun ganz für seine Leute da.
Steuerfreiheit, Vollversorgung, ein offenes Ohr für alle.
Undenkbar in der Hofhaltung der noch verbliebenen Monarchien dieser Welt!
Damit gibt dieser Abschnitt Antwort auf drängende Fragen, die wir Menschen uns stellen:
Hat sich Gott aus der Welt zurückgezogen? Warum tut er nichts, um sie zu einem besseren Ort zu machen? Warum stoppt er nicht das gegenseitige Töten, die Ungerechtigkeit
und die Ausbeutung der Schwachen durch die Starken?
Hier sehen wir die Sonne hinter den Wolken: Die Welt voller Ungerechtigkeit und Not und ihr Niedergang durch eine böse und unfähige Menschheit sind nicht das Ende der Geschichte. Was uns freilich nicht aus der Verantwortlichkeit entlässt
und den Freibrief liefert, alles zu lassen, wie es ist.
Gott tröstet alle, die an dieser Welt leiden und die sich nach ihm sehnen, mit der Ankündigung eines richtig großen Umzuges, der nichts so lässt, wie es bisher war.
Gott zieht um – und heilt die Erde.
Er heilt die von Menschen geschundene Natur.
Er heilt das menschliche Miteinander.
Er beseitigt den Tod.
Wir können bestenfalls Leid mindern, etwas mehr Gerechtigkeit schaffen, vorübergehend Frieden schaffen, ein wenig Trost spenden.
Dazu sind wir auch aufgerufen.
Es wird aber immer ein unvollständiger Reparaturbetrieb sein. Das ist nicht nichts, aber weit entfernt von wirklichem Heil.
Und wo Menschen versuchen, die Welt etwas heiler zu machen, sind andere dabei neues Unheil anzurichten.
Und auch wo wir in guten Absichten etwas verbessern wollen, überblicken wir oft unser Tun nicht und richten neues Unheil an. Und die guten Absichten sind ja auch nicht immer vorhanden.
»Himmel und Erde sind vergangen und das Meer ist nicht mehr.«, lesen wir.
Was in den Tagen des Johannes wie eine unvorstellbare Katastrophe klang, steht heute jedem vor Augen. Wir werden es schaffen, das Werk des Schöpfers und mit ihm unsere Lebensgrundlage zugrunde zu richten. Sie kennen den Vorwurf: »Wir gehen mit unserer Erde um, als ob wir eine zweite im Keller hätten«.
Unser Bibelabschnitt sagt: Eine »Reserve-Erde« im Keller, über die wir Menschen verfügen könnten, gibt es nicht. Aber es gibt diese Welt sozusagen auf dem Dachboden! –
Von Gott kommen der neue Himmel und die neue Erde. Von oben kommt die umfassende Erneuerung, zu der wir Menschen nicht fähig sind.
Das folgende Kapitel schildert die neue Erde vom Dachboden als wahrhaftiges Paradies; als Ort der Vollversorgung mit den Bildern des Gartens Eden am Anfang der Bibel.
Gott zieht um – und damit wird die Beziehung Gott-Mensch unmittelbar.
Und diese neue Welt hat es in sich: Da passiert, was unser Beispiel vom König sagte, der mit seinen Untertanen eine »königliche WG« eröffnet: „Siehe, die Wohnung Gottes bei den Menschen!“
Als Wohnung Gottes, als Stätte seiner Gegenwart galt im Alten Testament das Allerheiligste im Tempel. Wohl war den Menschen klar, dass Gott nicht darin gefangen war. Dass er nicht darauf festgelegt war, nur dort zu sein. Aber trotzdem, dort erwartete man seine Gegenwart in besonderer Weise.
Das Allerheiligste im Tempel war ein viereckiger Bau in der Mitte des Tempels. Diesen symbolischen Wohnsitz Gottes durfte niemand betreten. Nur der oberste Priester, der Hohepriester, hatte einmal im Jahr Zutritt, um hier ein Opfer darzubringen. Dieser Bau und das Zutrittsverbot zeigten: Zwischen Gott und den Menschen steht wie eine trennende Mauer die Schuld der Menschen.
Wir handeln, ohne nach Gott und seinem Willen zu fragen. Wir tun was uns gefällt und rufen nur nach Gott, wenn wir mit unserer Kraft und unserer Weisheit am Ende sind.
Mal ehrlich: Wie oft fragen Sie am Morgen eines Tages, was sie nach Gottes Willen heute in der Welt tun sollen?
Und wie oft ist uns sogar bewusst, dass Gott nicht gut heißen kann, was wir uns vornehmen? Wir Menschen wollen selber bestimmen, selber Gott sein. Das ist es, was von Gott trennt, denn nur Gott kann Gott sein.
Wenn der Mensch schöpferisch gestalten will, können ganz verschiedenartige, wunderbare Kunstwerke daraus hervorgehen. Gott hat uns diese schöpferischen Gaben geschenkt. Wehe aber, wenn Menschen Schöpfer sein wollen wie Gott, wenn es sich von Gott nicht begrenzen lässt.
Der Untergang von Himmel, Erde und Meer, steht uns weitaus realer vor Augen als den ersten Lesern der Offenbarung.
Wir erleben, wie weltweit die Lebensmöglichkeiten von Menschen zerstört werden. Wir erleben, wie Bosheit und Machtansprüche die Lebensräume von Menschen zerstören.
Wir erleben, dass Menschen flüchten müssen, um irgendwo einen Platz zu finden, wo sie menschenwürdig leben können.
Der Mensch, der Gott nicht als Gott anerkennt und nicht auf seinen Willen hört, zerstört die sozialen und natürlichen Lebensräume.
Solange wir Menschen das Grundgebot, ihn zu lieben, und unsere Nächsten, wie uns selbst, nicht befolgen, trennt uns diese Schuld, wie eine Mauer von Gott.
Im Allerheiligsten wurde sie dargestellt durch einen schweren, dicken Vorhang, der von niemandem durchschritten werden durfte. Dahinter stand die Bundeslade. Sie galt als der Thron Gottes. Unzugänglich, wie der Thronsaal oder gar die Privatgemächer in einem Königsschloss.
Darum heißen die Wohnsitze der Könige ja »Schloss«: Hier hat sich der König ein- und seine Untertanen ausgeschlossen.
Und genau das soll ganz anders werden, sagt unser Bibelwort:
Der König zieht zu seinem Volk. Gottes Thron wird auf der neuen Erde »mitten unter die Menschen«, also sozusagen auf den Marktplatz gestellt. Und diese Wohnung teilt er mit seinen Leuten. Denn Gott zieht auf diese neue Erde um und bevölkert sie mit seinen Leuten, die, sofern bis dahin verstorben, eigens
zu diesem Anlass wieder auferweckt werden. Der König und sein Volk wohnen jetzt in einer WG. Und das hat Folgen für das Leben des regierten Volkes:
Gott zieht um – und heilt unser Leben.
Der König zieht zu seinem Volk und gewährt allen Kranken die freie Heilversorgung durch seine Leibärzte! Als Schöpfer ist Gott die Quelle wahren Lebens. Wo Gott ist, da ist Leben. Da hat nichts mehr Platz, was uns das Leben sauer, schmerzhaft und zerbrechlich macht; nichts mehr, was das Leben zerstören
kann. Krankheiten und Schmerzen sind die »Vorboten« des Todes, die uns ständig auf das »Verfallsdatum« unseres Körpers hinweisen. Diese finsteren, quälenden Vorboten des Todes werden vom König des Lebens in seinem neuen Wohnsitz beseitigt, wie die Begleiterscheinungen des Todes: Die Tränen der Totenklage werden von jedem Gesicht abgewischt.
Sie werden nie mehr fließen.
Der König zieht zu seinem Volk, und dem Grab wird das große, gefräßige Maul für immer gestopft. Nachdem es zuvor alles hergeben musste, was es jemals verschlungen hat. Und so soll es auf immer bleiben.

Gott zieht um – wer ist dabei?
Der König zieht zu seinem Volk – wer hat die Staatsbürger-schaft? Anders gesagt: Wie können wir zu dem Volk gehören, das mit dem König in dessen neuen Wohnsitz zusammen-zieht?
Wie werden wir Mitbewohner der göttlichen WG?
Der König gewährt nicht allen die Staatsbürgerschaft. Die Glieder seines Volkes werden adoptiert und zu Erben eingesetzt. Das ist selbst in den einwohnerschwachen
Monarchien wie Monaco oder Liechtenstein undenkbar. Hier, in unserem Bibelwort, wird Gott selbst zum Vater seines Volkes und bestimmt: Was mir gehört, gehört euch! Mein neuer Wohnsitz ist euer Wohnsitz! Meine Lebensfülle belebt, erneuert und stärkt euch!
Wer hier dazugehört, wird deutlich, wenn wir hören, wer nicht dazugehört:
In Vers 8 steht: Aber die Feiglinge und Treulosen, die Abgefallenen, Mörder und Ehebrecher, die Zauberer, die Götzenverehrer und alle, die sich nicht an die Wahrheit halten, finden ihren Platz in dem See von brennendem Schwefel. Das ist der zweite, der endgültige Tod.
Gedacht ist an einen brodelnden Lavasee, in dem regelrecht »verdampft«, was da hineinfällt. Der Feuersee steht so für den letzten und endgültigen Schlussstrich. Der Feuersee bedeutet: Tod ohne Auferstehung.
Hier hört das Leben auf und beginnt nie wieder. Dies ist der zweite Tod. Der ewige Tod. Das ganze Gegenteil von dem versprochenen Leben. Kein Anteil am hier versprochenen: »Siehe, ich mache alles neu!« Man könnte es auch so formulieren:
Für die genannte Personengruppe wird nichts neu. Es bleibt alles beim Alten: Die Trennung von Gott und damit vom Leben bleibt einfach bestehen und wird endgültig.
Wenn das nun die Ausschlussklausel ist – wer kann dann dabei sein? Platzt der Traum vom Platz in der königlichen WG? Wer hat noch nie gezweifelt? Wer wurde noch nie zum Lügner? Wenn wir in der Bergpredigt lesen, dann sehen wir
auch, wie Jesus Mord und Ehebruch definiert: Wer seinen Mitmenschen mit einem derben Schimpfwort belegt, der hat ihn in seinem Herzen und bei Gott schon umgebracht. Wer von uns wurde da noch nicht zum Mörder? Wer Tagträume
träumt, wenn ihm eine attraktive Frau begegnet, hat mit ihr in seinem Herzen und vor Gott bereits die Ehe gebrochen. Wer von uns Männern ist kein Ehebrecher?
Kurzum: Wären wir mit unserer Kraft alleine, wären wir mit unserer Kraft am Ende. Und ausgeschlossen von der göttlichen WG. Und die könnte es nie geben, wenn Gott nicht für uns aktiv geworden wäre zu einem sehr hohen Preis.
Wir erinnern uns: Im Allerheiligsten im Tempel symbolisierte ein schwerer Vorhang, hinter den niemand treten durfte, die Trennung zwischen Gott und Mensch. Wie verschwindet dieser Vorhang, sodass wir Mitbewohner des Allerheiligsten
werden können? Als Jesus am Kreuz starb, zerriss dieser Vorhang von oben nach unten. Das bedeutet: Gott hat
selbst diese Trennung aufgehoben – von oben nach unten zerreißend meint: Gott ist hier initiativ geworden. Gott beseitigt die Trennung. Weil Jesus Christus durch seinen Tod die Schuld von jedem Menschen auslöscht, der ihm vertraut und ihn dadurch mit Gott zusammenbringt. Seitdem hält Jesus jedem Menschen den Personalausweis für die Staats-bürgerschaft im Reich des Lebenskönigs vor die Nase.
Jeder darf zugreifen. Wer zugreift, wird zum Staatsbürger im Reich Gottes, zum Erben erklärt.
Zugreifen heißt, sich Jesus Christus anvertrauen und sich an ihm orientieren. Wer das tut, für den gilt: Er bleibt für immer bei ihm, in der göttlichen Wohngemeinschaft. Gott zieht zu seinem Volk. Wir dürfen dabei sein.
Amen.