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Christen leben aufwärts

Konfirmationspredigt

Vorbemerkung:

Die Konfirmanden hatten im Vorfeld über ihre Zukunftswünsche und Erwartungen nachgedacht und dazu Texte formuliert. Die Bilder ließ ich während der Predigt projizieren.

Liebe Konfirmanden, liebe Konfirmandinnen, liebe Gemeinde,

an die Zukunft denken? Macht das Sinn? Kommt nicht alles, wie es eben kommt? Kommt es nicht mehr darauf an, wie es einem jetzt im Augenblick geht?

Heute, an der Konfirmation, an die Zukunft denken? Macht das Sinn? Es geht doch heute nur darum, pannenfrei durch den Gottesdienst zu kommen und später viele Geschenke entgegenzunehmen.

Aber wann ist der richtige Zeitpunkt? Immer wird es irgendetwas geben, was gerade wichtig ist.

Das Leben wird nicht einfacher, wenn man die Schule hinter sich hat, wenn man im Beruf anfängt. Und dann will man weiterkommen. Und irgendwann hat man Familie, da kommen andere Anforderungen.

Aber wenn man sich immer nur mit dem beschäftigt, was gerade passiert, wird das Leben ablaufen, ohne dass man mal nachgedacht hätte und es wird nicht automatisch so werden, wie man es sich wünscht.

In den Konfirmandenstunden hätte man darüber nachdenken können, aber da musste man halt oft über süße Jungs und neue Computerspiele nachdenken und sich darüber austauschen.

Es ist ein unglaubliches Vorrecht von uns Menschen, dass wir uns Gedanken machen können über die Zukunft. Wir müssen nicht einfach nur erleben, was kommt. Wir können uns Ziele setzen. Wir können uns überlegen, wie unsere Wünsche wahr werden können. Wir können etwas dafür tun, wie es uns gehen wird. Das soll nicht heißen, dass wir alles in der Hand hätten, aber es geschieht auch nicht alles ohne unseren Willen.

Deshalb ist es gut, nachzudenken, was wir wollen und was wir erreichen können.

Ihr habt es vorgetragen: Ihr glaubt, dass eure Zukunft gut wird. Ihr seid optimistisch. Und Ihr seid bereit dafür, etwas zu leisten. Und da sich Menschen selten ihre Ziele ganz allein ausdenken und ihre Werte unabhängig von anderen finden, ist es nicht überraschend: Ihr liegt voll im Trend.

Eure Eltern können mit euch zufrieden sein. Ihr seid strebsam. Ihr wollt einen guten Schulabschluss, einen guten Beruf, ihr wollt nach oben. Jedenfalls habt ihr das gesagt. Wenn ihr im Einzelfall dann doch in der Schule nicht aufpasst, sondern mit den Nachbarn schwätzt, wenn ihr, natürlich nur im Einzelfall, nicht genügend gelernt habt, weil im Fernsehen etwas Interessantes lief, oder ihr die neue Bravo sofort lesen musstet, dann ist das dem anderen Ziel geschuldet, das euch treibt: Ihr wollt Spaß haben. Auch der Schulabschluss und der Beruf und die Familie, die ihr gründen wollt, sollen diesem Ziel dienen.

Auch damit liegt ihr – wenig überraschend – im gesellschaftlichen Trend.

Ich möchte euch das an einer Beobachtung zeigen: Der wohl häufigste Wunsch, den Menschen äußern, wenn sie sich von anderen verabschieden, ist „viel Spaß“. Spaß haben ist die zentrale Erwartung, die ja auch hinter euren Zielen steht. Schulabschluss und Beruf sind Mittel zum Zweck, viel Geld zu verdienen und sich damit viel Spaß kaufen zu können. Selbst die Familie soll dazu beitragen, dass es euch gut geht und ihr Spaß habt. Ja, das ganze Leben ist doch eigentlich eine Party.

Bild

Baxter/Butterworth/Inkpen

Aus: What for?. London: Scripture Union, 1975.

Mit freundlicher Genehmigung des Bibellesebund Verlages, Marienheide.

Nein, es ist nicht ganz so wie auf dem Bild. Nicht immer ist Party. Ihr wisst es: Man kann nicht immer feiern. Man muss zwischendrin auch das Geld für die Party verdienen. Aber wenn man schon arbeiten muss, dann sollte auch das wenigstens Spaß machen.

Und weil ihr nicht nur ans Party machen denkt, sondern auch strebsam an den Voraussetzungen dafür arbeiten wollt, sind eure Eltern, die den Zusammenhang schon länger verstanden haben, auch zufrieden mit euch.

Ich hatte euch ja auch nach euren Erwartungen für die letzten Jahrzehnte eures Lebens gefragt.

Und da kamen sie dann, die „noch“ Sätze. Ich möchte noch gesund sein, noch reisen können, noch leben. Aber ihr habt auch ausgedrückt: Letztendlich bleiben irgendwann nur der Rückblick und die Hoffnung auf ein „schönes Sterben“.

Die Party findet ein Ende.

Bild

Baxter/Butterworth/Inkpen

Aus: What for?. London: Scripture Union, 1975.

Mit freundlicher Genehmigung des Bibellesebund Verlages, Marienheide.

Ja, auf der Party gehts voll ab.

Das Leben ist begrenzt.

Man kann sich damit zufriedengeben oder besser gesagt, sich eingestehen, dass man sich damit zufriedengeben muss, weil es ebenso ist in der Welt: Die Lebenszeit zerrinnt.

Jemand von euch hat als Begründung dafür, dass die Zukunft nicht gut wird, geschrieben: Ich werde alt und hässlich werden.

Bild

Nun wäre es verkehrt, ein altes Gesicht, das Erfahrungen des Lebens ausdrückt, als hässlich zu bezeichnen. Richtig ist aber, dass alte Menschen nicht unserem Schönheitsideal entsprechen. Und es ist ja nicht nur eine Frage der Schönheit. Mit dem Altwerden sind andere Einschränkungen verbunden. Kräfte nehmen ab. Das Leben wird beschwerlich. Und das Altwerden ist das Zeichen des vergänglichen Lebens.

Ein Grafiker hat diese Tatsache in einer Zeichnung dargestellt. Er zeichnete eine Sanduhr, bei der im oberen Teil der Kopf und Oberkörper eines Menschen zu sehen sind. Im unteren Teil sieht man nur das übliche Häufchen Sand. So zerrinnt unser Leben.

Traurig nicht wahr? Kein Thema für ein Fest? An einem Fest will man nicht an unangenehme Wahrheiten erinnert werden? Und wenn gerade kein Fest ist, dann feiert man eben eins, um nicht an unangenehme Wahrheiten erinnert zu werden?

Ziemlich früh in der Konfirmandenzeit haben wir reinen Liedtext der Gruppe „Fettes Brot“ gelesen, in dem einer ausgedrückt hat, dass er die Ruhe am Sonntag nicht aushält, weil ihm dann so blöde Fragen über sein Leben kommen. Z. B. die Frage welche Ziele soll ich anstreben, wie geht die Sache aus? Was kommt am Schluss? Blöde Fragen sind das nicht. Da kommt einem nur so vor, wenn man keine Antworten findet.

Und dann stürzt man sich am besten in Arbeit oder ins nächste Vergnügen, nur um an so etwas nicht denken zu müssen?

Es gibt eine bessere Alternative.

Das Bild von der Party auf dem Förderband sagt uns: Am Ende geht es abwärts.    Das Bild vom Menschen in der Sanduhr sagt uns: Es geht abwärts.

[Video Sanduhr projizieren]

Christen glauben: Es geht aufwärts. Wer an Gott glaubt, der hat die Hoffnung auf ein unbegrenztes Leben, ja auf eine gigantische Party bei Gott. Es geht am Ende nicht abwärts, sondern aufwärts. Wenn alles, was die Zukunft gebracht hat, an Schönem und Schwierigem, vorbei ist, fängt das Beste erst an.

Und die Zeit davor, also schlichtweg unser ganzes Leben auf der Erde, ist geprägt von dieser Aussicht auf die tolle Ewigkeit und nicht von der Aussicht darauf, dass am Schluss alles kaputt ist.

Jesus hat gesagt, es ist gut, sein Leben nach seinen Worten zu richten. Das ist ein gutes Fundament, auf das man bauen kann. Wenn das Leben schwierig wird, wenn, wie Jesus sagt, Stürme an dem Lebenshaus rütteln, dann bricht nicht alles zusammen. Der größte Sturm, der am Lebenshaus rütteln kann, ist der Tod. Als Jesus von diesem Sturm, dem Tod vernichtet wurde, hat Gott ihn auferweckt und seine Worte bestätigt.

Was ihr im Hintergrund schon die ganze Zeit beobachten könnt, ist eine Aufwärtssanduhr. So wie die normale Sanduhr uns symbolisiert, es geht abwärts, so sagt diese Sanduhr uns, es geht aufwärts. Christen leben aufwärts. Wir werden euch heute eine solche Aufwärtssanduhr schenken. Sie soll euch daran erinnern: Leben, dass es bringt, gibt es bei Jesus. Christen leben aufwärts.

Amen.