33 Wie unergründlich tief ist Gottes Reichtum,
wie tief seine Weisheit und seine Voraussicht!
Wie unerforschlich sind seine Gerichtsurteile,
wie unbegreiflich seine Führungen!
34 Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt,
oder wer ist sein Ratgeber gewesen?
35 Wer hat ihm je ein Geschenk gemacht,
so dass er etwas dafür fordern könnte?
36 Von Gott kommt alles, durch Gott lebt alles, zu Gott geht alles.
Ihm sei Ehre, für immer und ewig! Amen.
Zitat aus Gute Nachricht Bibel ©2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Liebe Gemeinde,
unerforschlich, unbegreiflich, unergründlich – dem Apostel Paulus fehlen die Worte. Er findet keine Worte, um Gott zu beschreiben.Was empfinden sie, wenn sie diesen Abschnitt aus dem Römerbrief hören bzw. lesen? Da gerät Paulus ja total ins Schwärmen. Völlig fassungslos scheint er zu sein. Wenn einer in religiösen Dingen solche Sätze schreibt, der muss ja ein Schwärmer sein. Wenn das kein Sektierer ist! Der ist ja völlig von Gott begeistert.Wenn einer so begeistert ist von Gott, fällt es ihm sicher auch nicht schwer Gott ganz fest zu vertrauen und völlig aus diesem Glauben zu handeln.
Haben sie schon mal so von Gott geschwärmt? Jeder hat wohl seine Dinge, die ihn begeistern: Irgendwas entlockt uns das „ah“ oder „oh“. Eine grandiose Landschaft, ein feines Essen, ein fulminanter Schuss in den Torwinkel, ein bewegendes Konzert.
Aber ehrlich – Begeisterung über Gott, kennen sie das?
Paulus preist Gottes Handeln an und mit den Menschen, seine Weisheit, seine Größe, seine Gedanken und Absichten. Für Menschen ist dieses Handeln nicht nachvollziehbar. Unerforschlich, unbegreiflich, unergründlich eben. Weil uns solches Handeln fremd ist.
„Unbegreiflich“, das sagen wir meist, wenn uns Schweres widerfährt und wir Gott nicht verstehen. So was kommt uns in den Sinn, wenn wir vor den Rätseln des Lebens stehen.
Wenn wir mit Krankheit und Tod konfrontiert werden, wenn wir von Katastrophen hören. Noch selten habe ich gehört: „Unbegreiflich, dass Gott es mir so gut gehen lässt.“
Paulus redet nicht von einem fernen dunklen Gott, der eben unbegreiflich böses Schicksal nach Lust und Laune über Menschen kübelt. Obwohl Paulus das Schwere wahrlich nicht fremd war. Was er im 2. Korintherbrief, aufzählt, was ihm widerfahren ist, das übersteigt jedes Normalmaß von Leid.
Die Grundrichtung bei Paulus ist nicht: Gott ist der völlig Unbekannte, der Weltgeist, die Tiefe des Seins, das unergründliche Schicksal oder irgendsoetwas. Er meint nicht ,Gott ist unergründlich, also nimm dein anonymes Schicksal und ertrags halt mit Fassung.
Nein, für ihn ist unfassbar, dass Gott so gut zu uns ist. Vorher hat er 11 Kapitel lang darüber geschrieben, was wir von Gott wissen können. Und genau das hat ihn so begeistert.
Nur bei allem, was man verstehen kann, was er in diesen Kapiteln erläutert, bleibt dann doch, dass Menschen Gott nicht letztendlich erfassen und verstehen können. Allerdings können sie jubeln über das, wassie verstehen.
Eigentlich kann man über diese Sätze des Apostels Paulus nicht predigen. Es ist kein Text, den man erklärt und dann eben verstanden hat und danach handelt. Es ist ein Text zum Anbeten, zum Miteinstimmen. Das geht ja aber auch nicht so einfach. Warum sollten wir so über Gott jubeln? Dazu muss man ja erst mal den Anlass verstehen und in die richtige Stimmung kommen.
Ich möchte deshalb dem Gedankengang des Römerbriefes mit ihnen in Gedanken nachgehen. Vielleicht kommen wir im Nachdenken darüber auch ins Schwärmen.
Eigentlich geht es im Römerbrief um ein Thema: Das Evangelium: Gott gibt sich nicht damit zufrieden, dass wir Menschen immer wieder Böses tun und uns nicht korrigieren lassen. Er findet sich nicht damit ab, dass wir Menschen ihn verloren haben ihm gleichgültig, ablehnend gegenüber stehen, dass wir ihm fern bleiben.
Er gibt sich nicht damit zufrieden, dass Menschen ihn für ein fernes höheres Wesen halten. Er will, dass sie ihm vertrauen und ihm als seine Kinder angehören.
Er sagt nicht, das Maß ist voll. Jetzt reicht es mir. „Dann macht doch, was ihr wollt.“
Wir sagen oft genug: Das Maß ist voll. Ich will nicht mehr. Wir sagen das, wenn z. B. der Fernseher immer wieder nicht richtig funktioniert. Es reicht, jetzt muss ein Neuer her. Und der alte geht den Weg der gebrauchten Dinge zu Ebay oder zum Wertstoffhof – je nachdem.
Bei Sachen ist das ja in Ordnung. Das belebt die Konjunktur. Aber bei Menschen gibt es das doch auch. „Das Maß ist voll, ich will nicht mehr.“ Die Liste der Enttäuschungen ist zu groß geworden. Ich will nicht mehr. Und dann wird ein Mensch aufgegeben. Wenn man immer wieder Streit hat, wenn er immer wieder den gleichen Mist macht. Manch eine Trennung mag leichtfertig geschehen. Manchmal aber müssen sich Menschen auch schweren Herzens damit abfinden, dass es nicht mehr geht und nicht mehr gut wird.
Gott findet sich nicht damit ab, dass wir nicht gut werden.
Er vollbringt, was wir nicht können.
Das ist Wirklichkeit geworden durch Jesus!
Die, die es sich mit ihm verdorben hatten, macht er durch Jesus gerecht: Er selbst kommt für das auf, was er vom Menschen erwartet.
Egal was vorher war, jetzt kann jeder Gottes Kind werden.
Und Menschen fragen immer wieder: War das notwendig? Musste die Sache mit Jesus und dem Tod am Kreuz sein? Hätten die Menschen Gott nicht auch so erkennen können? Hätten sie ihm nicht auch so vertrauen und gehorchen können?
Doch, sagt Paulus, sie hätten ihn ehren können. Sie hätten ihn erkennen können.
Die Schöpfung weist auf Gott hin. Die Natur, die so wunderbar gemacht ist, die fordert auf, den Schöpfer zu ehren.
Aber die Menschen beteten das Geschaffene an. Das Sichtbare war ihnen wichtiger als Gott, der Schöpfer. Und deshalb haben sie sich an Ihre Wünsche verloren, weil sie das Maß nicht kannten, das Gott ihnen setzen wollte. So ist es bei den Menschen in allen Völkern.
Ohne Gottes Gnade kann keiner zu Gott kommen.
Keiner? Auch die Menschen aus dem Volk Israel nicht? Die haben doch Gottes gute Ordnung, die sind doch das Volk Gottes. Sie sind es doch, mit denen er einen Bund geschlossen hat. Wie steht es mit ihnen? Stehen sie nicht besser da als die Heiden?
Nein, so muss Paulus bilanzieren. Sie haben die guten Ordnungen, ja – aber sie haben sie nicht gehalten.
Nein, denn auch sie haben die Gemeinschaft mit Gott verlassen.
Für alle musste Jesus kommen. Für alle musste er leiden und sterben. Allen – Heiden wie Juden – gilt die Vergebung durch Jesus. Allen die ihr Vertrauen auf Jesus setzen, an ihn glauben, ihm nachfolgen.
Und allen, die sich Jesus zuwenden, werden mit dem Heiligen Geist erfüllt. Gott selbst hilft denen, die an ihn glauben wollen zu glauben. Er hilft ihnen zu beten, er hilft ihnen zur Gewissheit der Nähe Gottes. Keiner muss aus sich heraus den Glauben hervorbringen.
Gottes Werk in Jesus Christus übersteigt den ersten Bund, den er geschlossen hat. Denn das Gesetz, das Gott im ersten Bund gegeben hat, ist zum Verhängnis geworden, durch die Sünde der Menschen. Was den Weg zum richtigen Tun zeigen sollte, ist zur Anklageschrift geworden.
Aber in Jesus ist ein neuer Anfang gemacht ein Neuer Bund.
Acht Kapitel lang kann Paulus darüber schreiben und das Heil in Jesus entfalten.
Dann aber hält er inne: Was aber ist nun mit den Menschen aus Israel, die Jesus ablehnen. Gerade das hat Paulus ja erlebt:
Da waren Heiden, die an Jesus glaubten, und Juden, die ihn ablehnten.
Soll den Menschen überall Gnade zuteilwerden, und die Juden sollen ausgeschlossen sein? Kann es sein, dass Gott seinen ersten Bund aufgehoben hat? Sein Wort zurückgenommen?
Diese Frage, was aus den Menschen seines Volkes wird, die quält ihn. Er ist ja selber Jude. Er geht sogar so weit zu sagen, er würde sein Leben dafür geben, dass sie gerettet würden. Aber in seinen quälenden Fragen kommt er zu der Gewissheit: Gott gibt Israel nicht auf. So wie im Alten Bund die Völker der Welt an Israel sehen sollten, wie gut es ist, auf Gott zu vertrauen, so soll Israel jetzt eifersüchtig werden auf die, die Jesus als Heiland erkannt haben, und zum Heil gelockt werden. Gottes Weg mit Israel ist nicht zu Ende. Wenn es auch nicht zu verstehen ist, warum Gott mit seinem Volk noch nicht zum Ziel kommt, warum sie nicht jetzt das Heil in Jesus erkennen, so ist das doch nicht das Ende von Gottes Zuwendung.
Und so münden die Gedanken, die Paulus erörtert, im Lob Gottes. Es ist ein Lob, nicht weil er alles verstanden hätte, sondern weil er trotz der unverständlichen Seiten an Gottes Handeln ihm vertrauen kann. Und weil er angesichts des Evangeliums weiß: Gott will und wird es gut machen.
Persönlich hat Paulus erlebt: Gott lädt sogar den ein, der ihn verfolgt. Gott schenkt sein Heil sogar dem, der sich gegen ihn wendet.
Und er hat erlebt, dass Menschen Christen wurden, die davon Gott bisher ganz fern waren.
Er erlebt aber auch, wie diejenigen, die in den ersten Bund, den Gott gemacht hatte, eingeschlossen waren, sich gegen das Evangelium wenden. Wie passen Gottes Ziel, den Menschen das Heil zu schenken und diese Ablehnung zusammen?
In diesen quälenden Überlegungen siegt bei ihm die Einsicht: Gott kommt zu seinem guten Ziel. Auf Gott ist Verlass. Auch bei allem, was unverständlich bleibt, ist Gott vertrauenswürdig. Niemand kann Gott verstehen. Erst recht nicht beraten oder korrigieren. Aber: Er macht es gut. Was er in Jesus für uns getan hat, das zeigt es uns überdeutlich. Ihm sei Ehre für jetzt und immer.
So weit das Nachdenken der Gedanken des Apostels Paulus.
Verlassen wir Paulus und seine Beschreibung des Heils in Jesus Christus, wie er sie im Römerbrief gibt.
Können wir Gott darüber anbeten, was er für uns ist und tut?
Für seine Schöpfung, für seine Rettung durch Jesus, für seine Nähe durch seinen Geist?
Was Gott macht, das ist doch toll!
Das muss doch mal gesagt werden! Das muss doch ihm mal gesagt werden!
Wir sollen die guten Taten Gottes, seine Liebe zu uns, seine Vergebung und Erneuerung bedenken und uns bewusst machen und ihn loben und anbeten. Aber wir können das nur, wenn Gott uns die Herzen öffnet und mit Begeisterung für ihn erfüllt.
Dann allerdings wird die Begeisterung nicht in uns verborgen bleiben. Dann wird die Liebe zu Gott, die in uns ist, sich Ausdruck suchen. Wir werden mit Worten und Taten ihn loben.
Wer Gott anbetet, der erkennt mehr und mehr seine Größe, die nicht in Worte zu fassen ist und wer anbetet, der kommt auch zu einem veränderten Leben.
Der Abschnitt, den wir heute bedenken, steht am Übergang zu Kapitel 12. Dort heißt es: Weil Gott so viel Erbarmen mit uns hat, deshalb stellt euch Gott ganz zur Verfügung. Führt euer Leben zu seiner Ehre.
Mit Paulus können wir den Blick auf Gott richten und ihn anbeten. Ihn loben für alles, was wir verstehen, auch wenn wir ihn nicht in der Tiefe seiner Gedanken und seines Handelns verstehen. Das wirke Gott in uns.
Amen.