Wofür hat Jesus sich eigentlich gehalten?

Vorbemerkung: Laut Kirchenmitgliedschaftuntersuchung glauben nur 29 % der Mitglieder der Evangelischen Kirche, dass Gott sich in Jesus irgendwie offenbart hat. Wenn das keine Aufforderung ist, es den Konfirmanden zu erklären!

Ausgangslage: Die Konfirmanden haben ein Evangelium gelesen. (Siehe Konfirmanden lesen ein Evangelium!)

Jetzt können wir gemeinsam überlegen, was hat Jesus denn über sich selber gesagt? Was hatte er für ein Selbstverständnis?

Wer das Johannesevangelium gelesen hat, hat es mit dem Antworten einfach. Die „Ich bin“ Worte sind mögliche Antworten. Im Gespräch kann man klären, was Jesus da behauptet.

So einfach machen es uns die anderen Evangelisten nicht. Ich habe den Konfirmanden vor dem Lesen des Evangeliums erklärt, dass Jesus mit dem Ausdruck „Menschensohn“ sich selbst meint. Dieser Ausdruck kommt etwa 40-mal in den Evangelien vor. Ausschließlich aus dem Mund von Jesus. Schnell erklärt ist auch, dass im Buch Daniel dieser Ausdruck gebraucht wird für einen von Gott kommenden mächtigen Gesandten, der aussieht, „wie eines Menschen Sohn“.

Diese Sätze beschreiben einen, jetzt Anwesenden, einen irgendwann mit Macht wieder Erscheinenden und einen, der leiden und sterben und auferstehen wird.

[Ja, ja, ich weiß, es gibt Theologen und Theologinnen, die jede dieser Gruppen von Aussagen über den Menschensohn für nicht authentisch halten. Zum Teil geschieht das mit sich widersprechenden Begründungen. Ich halte keine dieser Argumentationen für tragfähig.]

Schauen wir doch mal genauer, was Jesus im Einzelnen sonst gesagt hat:

 Er hat für sich in Anspruch genommen, Sünden vergeben zu können (Markus 2, 1ff.) Sünden vergeben, das steht aber doch nur Gott zu. (Beispiel A gibt B eine Ohrfeige. C sagt, ich vergebe dir. Macht das Sinn? Wohl nicht. Sünde ist Verstoß gegen Gottes Gebot. Wer kann vergeben?)

Jesus ruft Menschen in die Nachfolge (z. B. Lukas 9,51-10,16 oder Mt. 9,9). Er erwartet, dass sie ihm umfassend Vertrauen und ihm gehorchen. Ist ein Mensch berechtigt, diesen Anspruch an einen anderen zu stellen? Wohl nicht!

Jesus beansprucht für sich die Autorität, die Gebote, die Gott gegeben hat ultimativ auslegen zu dürfen (z. B. „Ihr wisst, dass es heißt:…., Mt. 5, mehrfach). Darf sich ein normaler Mensch so etwas anmaßen? Wohl nicht!

Was schließen wir daraus, wie Jesus sich selbst gesehen hat?