Autor: Volker Glaser

  • AfD Veranstaltung in Bad Dürkheim

    „Die Rheinpfalz“ berichtete am 19. 1. 2026. Das war mir diesen Leserbrief wert:

    Schön, dass Sie über die AfD Veranstaltung in Bad Dürkheim auch inhaltlich berichtet haben. Nur dann kann man sich mit den dort getätigten Aussagen auseinandersetzen.
    Frau Weidel hat ein Problem damit, dass sich die Windräder zu wenig drehen. Das ist in der AFD-Meinungsblase ein häufig zu hörendes Redeversatzstück. Wie erstaunlich ist es da, dass obwohl die sich ja wohl nie drehen, also einfach unsinnig sind, sie im vergangenen Jahr 132 TW/h oder ca. 30 % der Stromerzeugung in Deutschland erbrachten. Dies ist wahrlich ein Wunder! Oder Frau Weidel hat ein Wahrnehmungsproblem?
    Für Frau Weidel gehört ja auch Photovoltaik zum „Flackerstrom“. Erstaunlich, dass unsere PV-Anlage trotz Nebel und Wolken im Dezember 66 % unseres Strombedarfs gedeckt hat (obwohl wir teilweise elektrisch heizen). Noch ein Wunder!? Sie will neue Atomkraftwerke bauen. Das jüngst in Frankreich fertiggestellte neue Atomkraftwerk Flamanville hatte eine Bauzeit von 17 Jahren und kostete 23,7 Milliarden €. Nur wenn man in der AfD-Blase feststeckt, sieht man durch solche Investitionen die Stromkosten purzeln.
    Frau Weidel sieht in der frei gewählten Regierung der Ukraine ein Unrechtsregime. Und Putin ist ein „lupenreiner Demokrat“ und Wohltäter der Menschheit? Kein Unrechtsregime in Russland? Kein Problem, sich von Putin abhängig zu machen?
    Herr Bollinger möchte Abschiebungen, Abschiebungen, Abschiebungen. Das ist ja eines der Hauptmotive in politischen Aussagen von AfD Politikern. Die „Startbahnen zum Glühen bringen“ durch Abschiebeflüge von „Menschen ohne Bleiberecht, die straffällig werden“. Nun, so viele gibt es davon nun wirklich nicht, um diesen speziellen Flugverkehr so rasant zu betreiben. Will er vielleicht doch alle Menschen mit Migrationshintergrund abschieben? Auch die, die hier voll erwerbstätig sind, Steuern zahlen und zum Bruttosozialprodukt beitragen? Schrumpfende Gesellschaften haben schrumpfende Wirtschaften. Das könnte ganz schön arm und einsam werden. Und falls er mal pflegebedürftig wird oder er einen Handwerker braucht, könnten ihm schnell helfende Hände fehlen.
    Herr Stephan möchte Handschellen klicken hören. Er meint also, die Menschen, die während der Pandemie versucht haben, Schlimmeres zu verhindern, haben strafbar gehandelt? Möglicherweise haben sie Fehler gemacht. Aber jeder, der sich politisch engagiert und einen Fehler macht, soll in Handschellen gelegt werden?
    Ach, liebe AfD Anhänger kommt heraus aus dieser Denkblase und stellt euch den Fakten. Die „Wahrheit wird euch frei machen“, hat schon Jesus gesagt.

  • Christen leben aufwärts

    Christen leben aufwärts

    Irgendwann fiel mir eine aufwärtslaufende Sanduhr in die Augen. Inspirierte mich zu den folgenden Gedanken:
    Die Zeit läuft. Jahre vergehen wie im Flug. Das Leben zerrinnt. Ein Zeichner hat dies dargestellt,
    in dem er in den oberen Teil einer Sanduhr einen Menschen eingezeichnet hat, der durch die Öffnung hindurch nach unten zu Staub zerfällt.
    Die Lebenszeit eines Menschen ist begrenzt. Die Lebenskräfte nehmen im Laufe der Zeit ab. Am Ende heißt es: „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub.“ Dieses Ende kann nicht das Ziel des Lebens sein. Wenn das Leben kein anderes Ziel hat, dann ist es eine letztlich traurige Angelegenheit.
    70, 80 oder wie viel Jahre auch immer leben und dann alles vorbei?
    Einige Jahre Wachstum, Entwicklung, dann Jahre der vollen Gestaltungs- und Leistungskraft und dann Jahre des Niedergangs –ist das das Leben eines Menschen?
    Christen glauben, dass ihr Leben auf Gott zu geht. Dass nach dem Ende die Auferstehung kommt.
    Christen glauben, dass nicht alles ins Nichts zerrinnt, sondern auf Gott zuläuft.
    Die „Aufwärts-Sanduhr“ ist ein Symbol dafür. Christen leben aufwärts. Sie haben eine Hoffnung. Diese Hoffnung verändert die Sicht des Lebens. Wenn in diesem Leben nichts Neues und Besseres mehr zu erwarten ist, kann diese Perspektive nicht niederdrücken, die schlechten Aussichten auf der
    sichtbaren Wegstrecke werden überlagert von der Hoffnung auf die Ewigkeit.

    Die aufwärtslaufende Sanduhr mit dem oben stehenden Begleittext verkauft der Förderverein unserer Kirchengemeinde https://evang-gemeinde-dudenhofen.de/?page_id=268

    Christen leben aufwärts. Diese tolle Botschaft haben bislang 8000 verkaufte Sanduhren in die Welt getragen.

  • Politik ist das Problem!?

    Macht Demokratie unglücklich?

    Oft habe ich Konfirmanden gefragt, worunter Menschen in dieser Welt denn leiden, was sie unglücklich macht. Im Anschluss sprachen wir dann über eine Regel, die das Leben und das Zusammenleben von Menschen grundsätzlich zum Guten wenden kann. Es ist das Doppelgebot der Liebe: „Liebe Gott von ganzem Herzen und deinen Mitmenschen wie dich selbst.“

    Auf diese Frage habe ich schon viele vernünftige und auch etliche kuriose Antworten bekommen. Doch als eine Antwort auf diese Frage „Politik“ lautete, da war ich dann doch etwas überrascht. Hinter dieser Antwort stand ja wohl der Gedanke, dass es den Menschen besser ginge, wenn es keine Politik gäbe.

    Wenn dies nur ein undurchdachtes Statement eines 13-Jährigen wäre, wäre es nicht des Schreibens wert. Diese negative Einstellung zu „Politik“ begegnet mir aber auch sonst immer mal wieder. Unreflektiert wird der Begriff verwendet und über die Sache, und mehr noch über die Akteure, geschimpft.

    Wo Menschen zusammenleben muss dieses Zusammenleben irgendwie organisiert werden. Es braucht Gesetze, Regeln, Systeme, um mit Problemen umzugehen und Interessen unter einen Hut zu bringen. Das ist nicht einfach. In den frühen Zeiten der Menschheit war weniger kompliziert: Der Stärkste hat sich durchgesetzt, wurde Häuptling, Anführer oder später dann König. Er nutzte seine Stärke, um seine Macht noch mehr auszubauen und hatte das Sagen, bis ein Stärkerer ihm mit den gleichen Methoden die Macht genommen hat. Wenn die Menschen Glück hatten, war der Anführer klug und vernünftig und nicht allzu egoistisch. Wenn sie Pech hatten, war er es nicht und sie litten unter seiner Herrschaft.

    Da dieses System für die meisten Menschen auf Dauer doch nicht so klasse war, machte sich der Gedanke der Demokratie breit. In einer „Herrschaft des Volkes“ können sich alle wahlberechtigten Menschen am Prozess der Entscheidungsfindung beteiligen. Die Mehrheit entscheidet. Da sich nicht alle Menschen einig sind, was das Richtige ist, kommt es zu politischem Streit. Wenn Menschen, die sich politisch engagieren, miteinander sachlich streiten, ist dies also nicht furchtbar (auch wenn  Medien gern dies gern und oft anders darstellen), sondern ein natürlicher Teil dieses Interessenausgleichs.

    Dass es ein Spektrum der politischen Meinungen gibt, dass also mein Gegenüber anderer Meinung ist als ich, gilt es auszuhalten. So lange es im (Grund-) gesetzlichen Rahmen bleibt, hat jeder sein Recht auf die eigene Meinung, auch wenn ich sie für falsch halte. Dass die eigene Meinung nicht einfach Gesetz wird, dass Kompromisse ausgehandelt werden müssen, das liegt im System begründet. Aber mal im Ernst: Möchte jemand ernsthaft lieber ein System haben, wo einer allein das Sagen hat?

    Dem Konfirmanden, und allen, die genauso denken, möchte ich sagen: Dann engagier dich doch! Beschäftige dich mit den Problemen, bring deine Meinung in den Diskurs ein, überzeuge mit deinen Argumenten, lebe damit, dass du nicht immer zur Mehrheit gehörst und deine Meinung eben nicht immer Gesetz wird. Aber hör auf, einfach zu schimpfen und zu meinen, ohne Politik ginge es uns besser.

    Ja, jeder kann sich mit seinen Meinungen einbringen. Und gerade auch das Heraustreten aus der eigenen Meinungsblase, das Diskutieren mit Menschen, die ganz anders denken, hilft die Probleme zu verstehen und neue Sichtweisen zu gewinnen.

    Dies alles kann geschehen unter dem Satz des Propheten Jeremia: „Suchet der Stadt Bestes“.

  • Auch Diktatoren sind vergänglich

    Ob sich einer da nicht überschätzt?

    In den Medien war zu lesen, dass der russische Präsident Wladimir Putin Belgien für den Fall, dass das russische Vermögen für die Ukraine verwendet wird, angedroht hat, dass Belgien dies für ewige Zeit spüren wird.

    Das bringt mich zum Nachdenken: Weiß er nicht, dass er, wie alle Menschen, vergänglich ist? Wie kann ein vergänglicher Mensch ewige Vergeltung androhen? Oder meint er, dass alle seine Nachfolger genauso sein werden wie er? Kennt er nicht das christliche Lied „Seht, man musste sie begraben, die der Welt Gebote gaben und ihr Wort hat nicht Bestand?“

    Vergänglichkeit ist ja an sich ein großes Problem von uns Menschen. Aber unsere menschliche Vergänglichkeit hat auch eine gute Seite. Auch die böseren Menschen sind vergänglich.

    Böse Menschen sind nicht ewig und der Ewige ist nicht böse.

  • Liebe Amerikaner,

    es macht mich traurig, dass ich diesen Brief schreiben muss.

    Viele Jahre waren wir gute Freunde. Ihr habt geholfen, den Zweiten Weltkrieg zu beenden und uns von der Diktatur zu befreien. Ihr habt uns dann in kluger Weise die Demokratie gebracht und uns geholfen, in den ganz schwierigen Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg. Wir waren begeistert von Euch und haben vieles übernommen, was Ihr kanntet und hattet. Wir hörten Eure Musik, wir begannen, Kaugummi zu kauen, wir tranken Cola in großen Mengen, wir schauten Eure Filme, wir übernahmen viele Wörter aus eurer Sprache. Vieles andere könnte ich noch aufzählen.

    Wir fanden Euer Land groß und großartig und Ihr wart uns in vielem Vorbild.

                   Ja, wir merkten auch, dass da nicht alles richtig ist. Da wurden auch Kriege geführt, die nicht gerecht waren. Manche Regierungen in anderen Ländern wurden mit Eurer Beihilfe gegen den Willen der dortigen Mehrheit der Bevölkerung gestürzt. Wir haben Euch vieles nachgesehen. Als Ihr angegriffen wurdet, zogen wir mit in den Krieg nach Afghanistan.

                   Wir haben über manche seltsamen Dinge hinweggesehen. Dass Ihr eines der wenigen hoch entwickelten Länder seid, in dem es keine Krankenversicherung für alle gibt? Schwer zu verstehen! Dass, so scheint es uns jedenfalls, jeder Schusswaffen zu Hause liegen hat und dass unzählige Menschen mit diesen Schusswaffen getötet werden? Wir setzen da eher darauf, dass die Polizei uns beschützt und fühlen uns dabei eigentlich ganz wohl und sicher. Dass es in Eurem Land, das so reich ist, noch größere Unterschiede zwischen Arm und Reich gibt, als bei uns und sonst wo in Europa, das ist schwer zu verstehen. Aber in euren Filmen gewinnt man eher den Eindruck, dass die meisten von euch ziemlich wohlhabend sind. So schien uns das, nicht so schlimm zu sein.

                   So hielten wir euer Land für ein großartiges Land. Dann aber kam ein Präsidentschaftskandidat und sagte, er müsse dieses Land wieder „great again“ machen. Hatten wir was verpasst? Er sagte auch, dass wir Europäer die USA ausgebeutet hätten. Meinte er, dass wir zu viel bei euch eingekauft haben? Ja, ich habe schon viel Geld ausgegeben für Waren und Dienstleistungen (Microsoft, Google, Amazon…!) aus den USA. Habe ich Euch das weggekauft? Wir erschraken! Waren wir so schlechte Freunde?

                   Aber seitdem ist ja noch eine ganze Menge mehr passiert. Viele Lügen über uns wurden verbreitet.

    Es gebe bei uns keine Meinungsfreiheit. Die Demokratie sei bei uns in Gefahr. Und die Einwanderung sei ein Riesenproblem, das uns vernichtet. Hhm? Seid Ihr und Eure Vorfahren nicht fast alle Einwanderer gewesen?

                   Ja, und jetzt hat dieser Präsident sinngemäß geschrieben, dass er lieber gute Beziehungen mit Russland unterhalten will. Dort herrscht ein Diktator, der sein Nachbarland brutal überfallen hat.

    Und heute lese ich, dass wenn man in euer Land einreisen will, man seine Socialmediaaccounts und seine Telefonnummern der letzten 10 Jahre offenlegen muss. Geht man so mit Freunden um?

    Ist das nun nur Euer Präsident, der solches sagt und macht? Nein, Ihr habt ihn gewählt. Weder Euer oberstes Gericht noch das Parlament haben ihn gestoppt. Es scheint uns ziemlich deutlich zu sein: Die Mehrheit von euch will das so.

                   Schade, dass Ihr nicht mehr unsere Freunde sein wollt!

    Wir machen uns Sorgen um die Demokratie bei euch.

                   Verständlicherweise werden wir manches nicht mehr bei Euch einkaufen. Viele Waffen zum Beispiel, können wir ja nicht mehr kaufen. Wir wissen ja nicht, ob Ihr sie im Ernstfall nicht einfach abschalten würdet. Und all die Produkte von den großen Tech-Konzernen! Von Freunden abhängig zu sein, ist nicht schlimm. Von Menschen, die einem nicht mehr Freund sein wollen, abhängig zu sein, ist gefährlich. Wir werden einige Einschränkungen erleben, wir werden eigenes entwickeln müssen, aber letztlich müssen wir auf eigenen Beinen stehen und werden das auch tun.

    Mit traurigen Grüßen

    Volker Glaser

  • „Covid 19 war ein Beschiss“

    Im Frageteil beim AfD Bürgerdialog

    siehe Beim AfD Bürgerdialog

    meldete er sich zu Wort. Sein 1. Satz war: „Ich bin Fliesenleger.“ Der 2. Satz: „Covid 19 war ein Beschiss“. Der 3. und die weiteren Sätze waren zu einem anderen Thema und ich habe sie vergessen.

    Nun habe ich den Zusammenhang zwischen dem 1. und dem 2. Satz nicht verstanden, aber es hat mich angeregt zum Weiterdenken.

    Man muss vorausschicken, dass die Pandemie nicht das Hauptthema der Veranstaltung war, dass aber durchaus auch von den Rednern ausgedrückt wurde, dass die Coronaschutzmaßnahmen völlig überzogen und gegen die Freiheitsrechte waren. Auch die Redner haben sicherlich noch keinen, wie es ein Mediziner mal ausdrückte, „Totenschein mit der Diagnose „Covid 19“ unterschrieben“. Aber sie haben damit die Bühne für den Fliesenleger bereitet.

    Ich habe nichts gegen das ehrbare Handwerk des Fliesenlegers, aber etwas gegen die medizinische Expertise dieses Mannes. Sicher macht er gerade in der Abendschule ein Medizinstudium. Irgendwoher muss sein Fachwissen ja stammen!

    Nun sitze ich auf einem Örtchen, wo die Wände gefliest sind, und es geht mir durch den Kopf, dass der Fliesenkleber, mit dem die Fliesen befestigt sind, doch ein einziger Beschiss ist. In so vielen Badezimmern sind die Fliesen mit diesem Zeug festgemacht. Dabei ist doch längst klar, sehr viele Menschen, die dieses Zeug unter den Fliesen haben, sind krank geworden. Ja, nicht wenige sind gestorben! Und ist das nicht teuer? Und gibt es nicht seit alters einen hervorragenden Kleber aus Mehl und Wasser. Haben diese Menschen sich nicht verschworen, Unschuldigen, Unwissenden das Geld aus der Tasche zu ziehen und sie krank zu machen? Hoffentlich gibt es bald eine neue Partei, die dagegen aufsteht!

  • Beim AfD Bürgerdialog

    Ja, wir waren dabei, bei einem sogenannten Bürgerdialog der AfD. Die Veranstaltung sollte eigentlich in Speyer auf einem Ausflugsschiff stattfinden, wurde aber nach öffentlichem Druck woanders hin verlegt.

    In der Lokalzeitung wurde heftig diskutiert, dass man die Veranstaltung doch verhindern müsse. Ein Redakteur schrieb, als die Veranstaltung abgesagt war, wie schön er es gefunden hätte, wenn während der Veranstaltung eine Menschenkette auf der Brücke in der Nähe der Anlegestelle gestanden wäre.

    Nun halte ich Händchenhalten aber nicht für eine politische Argumentation. Dass andere, und nicht wenige gegen die AfD sind, wird keinen Sympathisanten überzeugen. Warum geht man nicht hin und hält argumentativ dagegen? Ich halte den Umgang der anderen Parteien mit AfD für falsch. Es reicht nicht, zu sagen, die sind rechts und böse. Man muss aufzeigen, wo ihre Konzepte dumm, falsch und nicht zielführend sind. Das ist mühsam. Aber diese Mühe darf man halt nicht scheuen.

    Was erwartet einen bei einer solchen Veranstaltung? Will man sich das antun?

    Wird man vielleicht auf dem Weg dahin ausgebuht werden von Gegendemonstranten? Wird man einem Securitycheck unterzogen? Wird man viel Propaganda anhören müssen, darunter auch manches Grundfalsche oder auch glatte Lügen?

    Nun vom Äußeren her war es sehr unspektakulär. Durch die Verlegung gab es keine Gegendemonstranten, keine Einlasskontrollen. Es war eher wie der Besuch einer etwas überalterten Vereinsversammlung. Natürlich wurde von den anwesenden Bundestagsabgeordneten Parteifolklore und siegestrunkene Zukunftshoffnung verbreitet. Erwartungsgemäß wurden sehr einfache Konzepte angeboten, und dargebotene Zahlen enthielten nur die Seite, die AfD Positionen stützen. Natürlich waren wir mit unseren Meinungen in einer Minderheit. Das kann man aber schon mal aushalten.

    Durch die kritischen Fragen, die wir stellten, wurde den Anwesenden durchaus klar, dass hier nicht alle einer Meinung sind und dass es nicht nur Gegendemonstranten, sondern auch Gegenargumente gibt. Und auch das gab es: Ein Teilnehmer bedankte sich ausdrücklich bei denen, die andere Meinungen haben und trotzdem gekommen sind.

    Was bleibt? Das Wissen, wie wir bei einem eventuellen weiteren Termin besser vorbereitet, die Schwachstellen des AfD Programms besser aufzeigen können.

    Und auch der Gedanke: Gibt es von den anderen Parteien ähnliche Veranstaltungen? Wir würden glatt teilnehmen. Bei einer ersten Suche im Internet war da nichts zu finden. Schade.

    Eine Einzelerfahrung beim Bürgerdialog beschreibe ich im nächsten Blogbeitrag.

    „Covid 19 war ein Beschiss“

  • Hilfe, mein Land tut nichts für mich

    Eine junge Frau antwortet im Straßeninterview auf die Frage nach der Wehrpflicht, (ZDF „heute“ vom 13.11.2025) dass sie keinen Sinn darin sieht, sich für ein Land zu verpflichten „was generell nichts für mich, für mein Geschlecht, für meine Zukunft hergibt“.

    Fragen tun sich auf: Hat das Land für sie nicht einen Kindergarten gebaut, damit ihre Eltern berufstätig sein konnten, um ihr viele schöne Dinge zu kaufen? Hat das Land für sie nicht eine Schule gebaut, Lehrer beschäftigt, damit sie die Welt verstehen lernt und sich darin erfolgreich bewegen kann? (Okay, das hat wohl nicht viel genutzt.) Musste sie zu Fuß auf einem Trampelpfad durchs Dickicht viele Kilometer zu ihrer Schule laufen? Oder waren da Straßen und ein Schulbus? Und falls Sie mal schwerer krank war, gab es da ein Krankenhaus? Gibt es eine Polizei, die sie beschützt? Und sorgt dieses Land dafür, dass keine feindliche Armee einmarschiert und mit ihr schlimme Dinge macht? Und hat sie die Freiheit ihre Meinung (auch wenn sie seltsam ist) bundesweit bekannt zu geben?

    Dieses Land tut nichts für sie? Selbst wenn sie einmal von Bürgergeld leben sollte, würde sie immer noch zu den 13 % der reichsten Menschen in der Welt gehören (siehe https://www.givingwhatwecan.org/how-rich-am-i? )

    Wenn man von einem Land (bzw. seiner Regierung) erwartet, dass es den Himmel auf Erden schaffen kann, kann das nur schief gehen.

    Den Himmel hat nur ein ganz anderer für uns Menschen bereit. Hat man ihr das nicht erklärt? Oder wollte sie es nicht verstehen?

    Was so ein kleines Straßeninterview doch für Fragen aufwirft!

  • „Hurra, das neue Bestattungsgesetz ist da!“

    Ja, Rheinland-Pfalz hat ein neues Bestattungsgesetz. Nach Aussage der Landesregierung das modernste in ganz Deutschland. Neue Bestattungsformen sind nun möglich, Flussbestattungen, Pressen eines Diamanten aus der Asche des Verstorbenen, Aufbewahren der Urne auf der heimischen Fensterbank u. v. a. m.
    „Hurra, das neue Bestattungsgesetz ist da!“ das war die Schlagzeile in einer Anzeige eines Bestattungsunternehmens.
    Warum das neue Bestattungsgesetz für die Bestattungsunternehmen ein Grund zum Jubeln ist, erschließt sich schnell. Darüber hinaus wird es eher schwierig. Wird es nun so sein, dass sich Menschen, angesichts der neuen Bestattungsformen richtig auf ihren Tod freuen? Und die Angehörigen werden nun in Jubel ausbrechen, wenn endlich jemand stirbt, angesichts dieser neuen Möglichkeiten. Der Tod verliert ja jetzt seine irdische Endgültigkeit, seinen abschneidenden trennenden Charakter, wenn man die Urne, den Diamanten …
    Nein, es ist nur ein weiterer untauglicher Versuch, die Vergänglichkeit zu beschönigen. Auch wenn man die Urne oder den Diamanten in seiner Nähe hat, ist der Verstorbene tot. Das Gespräch miteinander, das gelebte Miteinander, ist nicht mehr möglich. Was sich in der Urne oder im Diamanten befindet, ist nicht der Mensch, sondern nur ein Überrest seines Körpers.
    Und der Mensch? Wenn er tot ist, bleibt nur noch die Erinnerung an ihn, solange das eigene Erinnerungsvermögen noch intakt ist. Ohne Auferstehung und ewiges Leben ist das alles eben nur ein schwacher Trost.
    Ohne Hoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben bleibt wohl nur, sich mit kleinen Vertröstungen zufriedenzugeben, wie zum Beispiel der Flucht in den Jubel über das neue Bestattungsgesetz.

  • Stellen Sie sich vor, Ihr Nachbar will Sie umbringen

    Stellen Sie sich vor, Ihr Nachbar will sie umbringen. Nicht nur sie persönlich, sondern auch ihre ganze Familie und Verwandtschaft. Er sagt es immer wieder. Er sagt es nicht nur, er hat auch einige aus ihrer Verwandtschaft schon umgebracht. Er hortet Waffen. Er startet immer wieder Angriffe, gegen die sie sich verteidigen.
    Was würden Sie tun? Die Polizei rufen! Aber stellen Sie sich vor die Polizei und alle anderen Ordnungsinstanzen würden sie nicht schützen. In manchen Gremien von Verantwortlichen hätte ihr Nachbar sogar eine große Sympathie.
    Würden Sie sich wehren? Und wenn sie das über einen langen Zeitraum immer wieder tun müssten, würden dann Hassgefühle in ihnen groß werden? Bestünde dann die Gefahr, dass sie über das Ziel hinaus schießen und mehr Gewalt ausüben würden, als zur Eindämmung der aktuellen Gefahrensituation notwendig? Und wie würden sie sich fühlen, wenn man nur mit dem Finger auf sie zeigen würde und auf das Unrecht, dass sie begehen und nicht auf die Ursachen schauen würde?
    Und jetzt wenden Sie diese Fragestellung mal auf die Situation zwischen Israel und den Palästinensern im Gazastreifen an.
    Hat die Hamas nicht oft genug betont, dass sie Israel ausrotten will? Und hat sie nicht mit Taten gezeigt, dass sie meint, was sie sagt? Und hat nicht eine Mehrheit der Palästinenser im Gazastreifen die Hamas an die Macht gebracht? Und hätte die Hamas Macht, wenn sie nicht Rückhalt in der Bevölkerung hätte? Ja, Israel macht sich im Gazastreifen schuldig. Aber was wäre die Lösung?
    Nur wenige Tage nach dem Waffenstillstand ist die Hamas schon wieder beim Aufrüsten. Wer von denen, die Israel aufgefordert haben, das Töten im Gazastreifen zu beenden, wird sich der Hamas entgegenstellen? Man wird Israel allein mit dem Problem lassen. Und dann gibt es auch noch die vielen, die sagen: „Warum sind die da hingezogen, wenn es die Nachbarn doch gar nicht wollten?“ Dazu mehr in einem späteren Blogbeitrag

    Viele, die das Vorgehen Israels, zu Recht, verurteilen, haben die Ausgangssituation (siehe 1. Satz) nicht verstanden.