Röm. 13, 8-12

Liebe Gemeinde,
Guten Morgen!
Sie sind verwundert, dass ich sie noch mal begrüße?
In diesen Tag sind sie gut hineingekommen.
Sie haben die Hürde des Aufstehens genommen. Sie sind hier angekommen. So weit, so gut.
Dieses „Guten Morgen“ ist der Wunsch, dass sie auch gut in den Tag kommen, von dem der Apostel Paulus schreibt.
„Der Tag der Erlösung kommt bald“
Oft scheint es uns, dass Dunkelheit sich breit macht, alles wird schlimmer, alles wird komplizierter. In den Nachrichten geht es nur noch um Katastrophen und Bedrohungen.
Man ist geneigt zu denken, wenn dies oder jenes auch noch passiert, dann „gute Nacht.“
Und wir haben letzte Woche den Gottesdienst zum Ewigkeitssonntag gefeiert, dem Gedenktag der Entschlafenen. Dieser Tag richtete unseren Blick auf die Vergänglichkeit unseres Lebens. Dieser Tag stellt uns vor Augen, wir gehen auf ein Ende zu. Es wird nicht heller, sondern dunkler um uns.
Es wird nicht heller, sondern dunkler, auch in der Welt, so meinen viele. Es wird immer dunkler, kälter, brutaler und gefährlicher auf dieser Welt.
Ja, wenn Nacht nur die Zeit für erholsamen Schlaf wäre, nein , Nacht ist eben auch Finsternis um uns und oft genug auch in uns. Nacht ist Angst und Hoffnungslosigkeit.
Die Bibel bestätigt diese Sicht: Jesus selbst sagt in seiner großen Endzeitrede in Mt 24: Die Gesetzlosigkeit wird überhandnehmen und die Liebe wird in vielen erkalten. Er spricht von Kriegen und Geschrei von Kriegen. Er kündigt Hungersnöte und Erdbeben an, Verfolgung der Gemeinde und raffinierte Verführung durch falsche Heilsbringer und Propheten.
Es wird dunkler.
Und die Christenheit? Wie geht sie damit um?
Jesus sagt: Ihr seid das Licht der Welt.
Leuchtet’s in die Finsternis?
Zumindest in unserem Kulturkreis hat Dämmerschlaf die Christenheit erfasst.
Vielleicht hat man auch die Dunkelheit liebgewonnen. Im Dunkel kann man ja nicht so genau unterscheiden. Man fällt nicht auf. Man wird nicht erkannt und behelligt. Man muss nicht Stellung beziehen
Schlaf hat die Kirchen ergriffen.
Im Dunkel kann man Christen von anderen kaum unterscheiden. Christen fallen nicht auf. Und vielen ist das recht oder sie finden es sogar richtig gut.
Da hinein kommt der Weckruf: Wacht auf! Es ist zwar dunkel, aber das ist nur die vorletzte Zukunft der Welt. Es kommt der Tag, an dem Jesus Christus alles neu machen wird. Macht euch bereit für das Kommen Christi.
Lebt im Advent, lebt in der Erwartung, dass Jesus kommt.
Es ist Zeit aufzustehen, sich zu richten, sich bereit zu machen für die Ankunft. Es ist Zeit anders zu leben, zu leuchten in der Dunkelheit, durch ein verändertes Leben.
Wenn wir von der Ankunft Christi reden, machen wir einen gedanklichen Spagat, zu dem man im Bild gesprochen, drei Beine braucht.
Wir reden

  • von der Ankunft des kleinen Christuskinds im Stall
  • von der Ankunft des großen Christus in unseren kleinen Herzen
  • und von der großen Ankunft des großen Christus in der Welt am Ende des Zeit.

Die Ankunft des Christuskindes ist bereits geschehen. Auf das Fest seiner Ankunft können wir uns sachgemäß nur so einstellen, dass wir uns Zeit zur Besinnung nehmen, um dieses Ereignis neu zu fassen, neu zu bestaunen und dafür zu danken. Vielleicht ist es dazu hilfreich, wenn nicht das traditionelle oder das gerade aktuelle Drumherum dieses Festes uns zu sehr fordert. Geschenke, Dekorationen, Weihnachtsfeiern, das soll nicht über dem Wesentlichen stehen
Das zweite: Die Ankunft Christi in unseren Herzen, die kann und soll sich täglich ereignen. Er gewinnt dort Raum wo wir ihn einlassen, wo wir beten sein Wort bedenken und danach handeln.
Und die große Ankunft am Ende? Darauf gilt es sich vorzubereiten. Und es geschieht durch seine Ankunft in unseren Herzen und dadurch dass er uns verändern darf, durch seinen Geist.
Weil Christus kommt, ist es Zeit vom Schlaf aufzustehen und sich zu richten, jeden Tag sich neu auszurichten auf ihn. Bereit zu sein, indem man ein Leben führt, das durch ihn verändert ist.
Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.

„Wacht auf“, ruft uns der Apostel zu. Wacht auf aus dem Schlaf der Sünde., der Anpassung an die Welt. Wacht auf aus dem Traum, das alles immer so weiter geht. Wacht auf aus dem Traum der Selbstzufriedenheit und Selbstgerechtigkeit. Wacht auf aus eurer Trägheit und Bequemlichkeit. Reißt die Fensterläden eures Lebens weit auf für die Strahlen des neuen Tages. Werdet wach für die Stimme eures Herrn. Werdet wach für den Ruf Jesu: Folge mir nach! Werdet wach und steht auf zu einem neuen Leben. Werdet wach für ein Leben der Hoffnung und der getrosten Zuversicht.

Oft höre ich Klagen über frühe Gottesdienstzeiten
Aber 10.00 Uhr oder sogar 11.00 Uhr, früh?
Wie wollen die, die so klagen wach und bereit sein für das Kommen Christi?
Der große Weckruf beinhaltet einfach mehr als ein Weckerklingeln am Sonntagmorgen.

Was sind die Verrichtungen, die man machen muss, um diesem Tag entgegenzugehen?
Wenn man aufsteht, legt man den Schlafanzug ab und zieht die Kleider an, mit denen man in den Tag gehen kann und wenn man aus dem Haus geht, greift man dies und das, was man braucht und rüstet sich für die Aufgaben.
Was gilt es abzulegen, was gilt es anzuziehen und zu ergreifen?
„Haltet euch an Jesus Christus, den Herrn, und lasst euer Leben von ihm bestimmen“
Wir werden bereit sein, für den kommenden Tag, wenn der, der da kommt, schon heute in unseren Herzen wohnt und regiert.
Das Jesus ihnen nahe ist, dagegen haben viele Menschen nichts. Ein Helfer, ein Tröster, ein besserer Schutzengel, nicht schlecht.
Das mit dem Regieren ist aber eine andere Sache.
Das Leben von Jesus bestimmen lassen?
Nicht alles, was uns an Wünschen kommt, nicht alles, was wir begehren, ist gut. Manches was wir begehren und denken, passt ins Licht, manches passt mehr ins Verborgene.
Zwei Lebensweisen stellt der Apostel Paulus uns vor Augen: Entweder, wir lassen uns treiben, von dem, was wir jeweils wollen und begehren oder wir lassen uns von Christus zu einem anderen Leben anleiten.
„Gebt euren Wünschen nicht so weit nach, dass ihr von euren Leidenschaften beherrscht werdet.“
Der Apostel wird sehr konkret. An drei Beispielen erläutert er, was es heißt, nach seinen Begierden zu leben.
„Wir wollen so leben, wie es zum hellen Tag passt. Keine Sauf- und Fressgelage, keine sexuellen Ausschweifungen, keine Streitigkeiten und Rivalitäten!“
Nichts gegen gut essen und trinken, aber niemand soll sich daran verlieren und maßlos werden und darin das Wesentliche seines Lebens suchen.
Ebenso nichts gegen Gottes gute Erfindung der Sexualität. Aber nach Gottes Willen soll Sexualität eingebunden sein, in die Liebesbeziehung zweier Menschen. Sie soll Liebe ausdrücken und nicht Spielzeug sein und Menschen benutzen.
Und Christen sollen nicht ihren Vorteil suchen, nicht gegeneinander, sondern miteinander handeln.
Aufwachen, erfassen, was die Stunde geschlagen hat, ablegen, was nicht ins Licht passt und anziehen, was das Leben im Licht ermöglicht.

Und wie geht es dann weiter? Auch wer den Herrn Christus angezogen hat, lebt ja noch in einer bösen und verlorenen Welt. Werden wir da nicht untergehen? Womit sollen wir uns wehren, wenn die Versuchung sich anzupassen immer wieder vor einem steht? Der Apostel Paulus antwortet uns: Legt an die Waffen des Lichts. Die Waffen des Lichts sind die Liebe und das Erbarmen Jesu. Mit diesen Waffen sollen wir das Böse in uns und um uns bekämpfen. Deshalb konnte Paulus auch schreiben: „Seid niemand etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“
An dieser Stelle steht das Wort Agape, das die selbstlose sich verschenkende Liebe meint. Die genannten Laster lassen sich mit der Liebe eben nicht verbinden.
„Bleibt niemandem etwas schuldig, abgesehen von der Liebe, die ihr einander immer schuldig seid.“
Der Apostel Paulus drückt damit aus, dass niemand solche Liebe völlig und ausreichend leben kann. Trotzdem sollen wir nicht müde werden immer wieder Liebe zu üben.
Das heißt dann aber auch unsere Adventsvorbereitungen
bleiben Stückwerk. Auf Vergebung bleiben wir immer wieder angewiesen

„Was kommt auf uns zu?“, wird es dunkel? Bricht die Nacht herein? Wer Jesus vertraut darf ein kräftiges „Nein“ entgegensetzen. Wir gehen dem Tag entgegen, dem Tag der Macht und Herrlichkeit Jesu Christi. Wir sind aufgerufen zu einem Leben im Zeichen des Advents. Dieses Leben steht unter dem dreifachen Ruf: Wacht auf; legt ab; zieht an. Im Zeichen des Advents blicken wir nicht mehr auf die vorletzte, sondern auf die letzte Zukunft. Im Zeichen des Advents gehen wir getrost dem Tag entgegen. Unser Herr kommt. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. Halleluja. Amen.

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