Stockholmsyndrom?

Angesichts der bevorstehenden besonderen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt habe ich mir die Diskussion der Spitzenkandidaten bei MDR angeschaut.

Ein paar Aussagen, die ich gehört habe, lassen mich ratlos zurück. Genauer gesagt sind es nicht die Aussagen der Spitzenkandidaten, sondern die Tatsache, dass man mit diesen Positionen Wähler hinter sich scharen kann.

               AfD und BSW sind dafür, für billiges Gas (trotz der daraus folgenden Erpressbarkeit) über den von Russland begonnenen Krieg in der Ukraine freundlich hinwegzusehen. Die beiden Parteien zusammengenommen gefällt das knapp der Hälfte der Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt. Hat man nicht genug Erfahrung mit Diktatur und Bevormundung aus dem Osten gemacht? Hat man sich im Sinne des Stockholmsyndroms mit den Unterdrückern verbunden? Warum bringt man diese unterwürfige Freundlichkeit gegenüber Russland auf? Dabei blendet man aus, dass Russland selbst den Gashahn zugedreht hat und dass der Gasspeicher, den Gazprom betrieben hat zu Beginn des Ukrainekrieges schon mal vorauswissend, was geschehen wird, leer war.

               Der Spitzenkandidat der AfD Siegmund sagt als Abhilfe gegen Facharbeitermangel „es muss ja nicht jeder Abitur machen“. Im Laufe der Diskussion wird dann die Information gegeben, dass es in diesem Jahr nicht mal 5000 junge Leute waren, die in Sachsen-Anhalt Abitur gemacht haben.

               Sollten die anderen Parteien insgesamt eine knappe Mehrheit der Sitze im Landtag bekommen, bleibt vollkommen offen, wie daraus eine Regierungskoalition werden könnte. Die Spitzenkandidaten der Parteien können diese Frage schlichtweg nicht beantworten.

               Kandidaten der beiden vorgenannten Parteien bezeichnen Sachsen-Anhalt als Land im Chaos. Bei allen Missständen, die es gibt und bei all den Problemen, die das Land hat, kann eine solche Bezeichnung wohl nur jemand gebrauchen, der auch nicht ansatzweise weiß, was Chaos ist. (Duden: Abwesenheit, Auflösung aller Ordnung; völliges Durcheinander) welche Sicht auf ihr Land haben Menschen, die solche Politiker wählen wollen? Auch wenn Sachsen-Anhalt ein Land ist, das auch aufgrund seiner Geschichte im letzten Jahrhundert, viele Probleme hat, fragt man sich, wie Wahlberechtigte dazu kommen, ihr Land so zu sehen (und entsprechend denkende Politiker zu wählen)? Wenn Menschen ihre Hoffnung darauf setzen, dass Politiker Ihnen das Paradies schaffen (weil sie ein anderes Paradies sich nicht vorstellen und nicht daran glauben können?) dann hat es die Demokratie, die immer nur Kompromisse zwischen widerstrebenden Positionen erzielen kann, schwer.

Kommentare

Ein Kommentar zu „Stockholmsyndrom?“

  1. Hans P

    ich habe gestern Abend das Interview mit Sven Schulze bei der HeuteShow gesehen und den Eindruck gewonnen dass er sehrwohl weiß dass es nur mit den Linken reicht, aber das noch nicht öffentlich sagen möchte.

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