Nachdenken über Religion im Autohaus


Ich hole das neu erworbene Auto im Autohaus ab. Der Verkäufer fragt: „Sie haben das Geld ja schon überwiesen?“ Ich frage zurück: „Haben Sie das nicht kontrolliert?“ Darauf der Verkäufer: „Ich bin ja überzeugter Atheist, aber ich habe gesehen, dass sie einen frommen Blog schreiben. Da glaube ich Ihnen das mal.“
Im Nachhinein kommen mir so manche Gedanken. Bei all dem, was Schlechtes über fromme Leute gesagt wird, ist es doch offensichtlich, dass man den Frommen auch manch Gutes zutraut, z. B. Ehrlichkeit. Das entspricht ja durchaus auch meiner Erfahrung. In Hotels schließe ich natürlich mein Zimmer ab, wenn ich es verlasse. In christlichen Freizeitheimen, wo nur fromme Leute zu einer christlichen Veranstaltung zusammen sind, da spar‘ ich mir das Abschließen.
Aber dann kommt ein weiterer Gedanke: Ist es nicht traurig, dass ein überzeugter Atheist in einen Angehörigen seiner eigenen Weltanschauung nicht so viel Vertrauen hat, als in den Angehörigen einer Weltanschauung, die er ablehnt? Heißt das nicht, dass er seiner eigenen Weltanschauung, seinem eigenen Glauben nicht so viel Gutes zutraut, wie einem Glauben, den er nicht teilt?
Also mir ist eine Weltanschauung, deren Anhängern ich mehr vertrauen kann, schon lieber.

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