Beim AfD Bürgerdialog

Ja, wir waren dabei, bei einem sogenannten Bürgerdialog der AfD. Die Veranstaltung sollte eigentlich in Speyer auf einem Ausflugsschiff stattfinden, wurde aber nach öffentlichem Druck woanders hin verlegt.

In der Lokalzeitung wurde heftig diskutiert, dass man die Veranstaltung doch verhindern müsse. Ein Redakteur schrieb, als die Veranstaltung abgesagt war, wie schön er es gefunden hätte, wenn während der Veranstaltung eine Menschenkette auf der Brücke in der Nähe der Anlegestelle gestanden wäre.

Nun halte ich Händchenhalten aber nicht für eine politische Argumentation. Dass andere, und nicht wenige gegen die AfD sind, wird keinen Sympathisanten überzeugen. Warum geht man nicht hin und hält argumentativ dagegen? Ich halte den Umgang der anderen Parteien mit AfD für falsch. Es reicht nicht, zu sagen, die sind rechts und böse. Man muss aufzeigen, wo ihre Konzepte dumm, falsch und nicht zielführend sind. Das ist mühsam. Aber diese Mühe darf man halt nicht scheuen.

Was erwartet einen bei einer solchen Veranstaltung? Will man sich das antun?

Wird man vielleicht auf dem Weg dahin ausgebuht werden von Gegendemonstranten? Wird man einem Securitycheck unterzogen? Wird man viel Propaganda anhören müssen, darunter auch manches Grundfalsche oder auch glatte Lügen?

Nun vom Äußeren her war es sehr unspektakulär. Durch die Verlegung gab es keine Gegendemonstranten, keine Einlasskontrollen. Es war eher wie der Besuch einer etwas überalterten Vereinsversammlung. Natürlich wurde von den anwesenden Bundestagsabgeordneten Parteifolklore und siegestrunkene Zukunftshoffnung verbreitet. Erwartungsgemäß wurden sehr einfache Konzepte angeboten, und dargebotene Zahlen enthielten nur die Seite, die AfD Positionen stützen. Natürlich waren wir mit unseren Meinungen in einer Minderheit. Das kann man aber schon mal aushalten.

Durch die kritischen Fragen, die wir stellten, wurde den Anwesenden durchaus klar, dass hier nicht alle einer Meinung sind und dass es nicht nur Gegendemonstranten, sondern auch Gegenargumente gibt. Und auch das gab es: Ein Teilnehmer bedankte sich ausdrücklich bei denen, die andere Meinungen haben und trotzdem gekommen sind.

Was bleibt? Das Wissen, wie wir bei einem eventuellen weiteren Termin besser vorbereitet, die Schwachstellen des AfD Programms besser aufzeigen können.

Und auch der Gedanke: Gibt es von den anderen Parteien ähnliche Veranstaltungen? Wir würden glatt teilnehmen. Bei einer ersten Suche im Internet war da nichts zu finden. Schade.

Eine Einzelerfahrung beim Bürgerdialog beschreibe ich im nächsten Blogbeitrag.

„Covid 19 war ein Beschiss“

Kommentare

Ein Kommentar zu „Beim AfD Bürgerdialog“

  1. Oliver

    Tja, in einem Interview vom Deutschlandfunk sagte Armin-Paul Hampel schon 2017, dass die AfD eine „Volkspartei“ werden wolle und da muss man doch sagen, dass sie auf einem guten Wege ist. Mit ihrem Bürgerdialog gibt sich die Partei volksnah und spricht konkret Probleme, Sorgen und Nöte der Bürger an. Über den Inhalt ihrer „Lösungen“ sollte man jedoch dringend diskutieren – und das haben wir verlernt: kaum ein Politiker scheint heutzutage bereit sich für seinen Standpunkt stark zu machen, viel zu lange hat man sich auf dem bequemen Polster der großen Mehrheit ausgeruht. Wenn’s nun einmal ungemütlich wird versucht man die AfD und andere „Unruhestifter“ durch Verschwiegenheit und Brandmauern knallhart weg zu ignorieren. Aber wird das wirklich klappen? Ich denke nicht, wenn die etablierte Politik sich nicht als Ganzes ihrer Basis zuwendet, mit den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes spricht und sich ihren Problemen, Sorgen und Nöten annimmt! Eine Demokratie die schweigt, ist eine tote Demokratie! Das steckt im Wortstamm auch schon drin: demonstrare heißt es jemandem zu zeigen oder ihm etwas zu beweisen. Wie soll das „händchenhaltend“ möglich sein?! Ich kann mich dem Wunsch nach Dialog und ehrlichem Diskurs aller politisch beteiligten nur anschließen und hoffe sehr, dass sich das bald ändern wird…

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